Karlsruhe Oberländer

Fotos: DDS und Oberländer Weinstube


Kulinarisches Highlight in Karlsruhe ?


Das Zentrum Karlsruhes ist das Schloss. Wie mit einem Zirkel gezogen darum ein großes, kreisrundes Areal mit  Schlossgarten, Schloßplatz, Kunstakademie, Bundesverfassungsgericht und Botanischem Garten. Ein imposantes, schönes Ensemble. Auf Höhe der Kunsthalle liegt, unweit des Landgerichts, die Akademiestrasse, die wie alle Straßen, sternförmig angeordnet, vom Schloss wegführen.

Karlsruhe verfügt über eine barocke Stadtarchitektur mit fächerförmigem Stadtgrundriss. Charakteristisch für den ursprünglichen Stadtplan sind die 32 ringsum vom Schloss in die Parkanlagen und den Hardtwald der Oberrheinebene ausstrahlenden Straßen. Seit 1950 ist Karlsruhe Sitz des Bundesgerichtshofs und des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof und seit 1951 des Bundesverfassungsgerichts, weshalb die Stadt auch „Residenz des Rechts“ genannt wird.


In der Akademiestraße befindet sich eine außerordentliche Lokalität der gehobenen Küche Karlsruhes, die nicht nur die verwöhnten, anspruchsvollen Juristen der Stadt zu schätzen wissen: Die “Oberländer Weinstube“.


Die Anfänge der Oberländer Weinstube liegen vor dem Ersten Weltkrieg, als ein pensionierter Richter vom ehemals gegenüberliegenden Amtsgericht in seiner Wohnstube Wein ausschenkte. Die besten Weine der damaligen Zeit kamen aus dem Oberland, was das heutige Markgräflerland ist, daher leitet sich der Name des Restaurants ab. Nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1918 kaufte Adolf Rinderspacher das Anwesen in der Akademiestrasse und unmittelbarer Nähe des Großherzoglichen Hoftheaters. Unter der Leitung von Professor Hermann Volz (1847-1941), Direktor der Kunstakademie, wurde die Weinstube vollkommen umgebaut. Dieser Zustand ist in dem denkmalgeschützten Haus bis zum heutigen Tage erhalten geblieben.


Das 1826 erbaute Haus befand sich über drei Generationen in Familienbesitz. Nach dem frühen Tod des Großvaters führte seine Frau das Restaurant unter schwierigen Bedingungen weiter. Nur mit finanzieller Hilfe von mäzenatischen Persönlichkeiten der damaligen Zeit, die damals im Restaurant verkehrten, konnte die Wirtschaftskrise überstanden werden. Im Jahre 1936 übernahmen Ihre beiden Söhne Erwin Rinderspacher und Kurt Rinderspacher, Koch am schwedischen Königshof sowie Sous Chef im damals renommierten Restaurant „Horcher“ (Berlin) das Restaurant und führten es zu neuer Blüte. Nach dem Tod seines Bruders führte Erwin Rinderspacher das Haus weiter und legte dank seiner Weinkennerschaft den Grundstein zum hervorragenden Weinkeller, der noch heute beeindruckt. 1970er übernahm sein Sohn Peter Rinderspacher die Weinstube, baute den Weinkeller weiter aus und sorgte für eine so exzellenter Küche, dass sie 1991 einen Michelin Stern bekam, den sie mit einer kleinen Unterbrechung bis Mai 2013 halten konnte. Dann hat er die Weinstube geschlossen.


Bei Sternekoch Günter Buchmann war der heutige Chefkoch Jörg Hammer von 1995 bis 1998 tätig. Ihm vertraute Peter Rinderspacher das Haus im September 2013 an. Diana Hammer, seine Frau, – eine weinkundige, charmante Gastgeberin – war ebenfalls schon in der Oberländer Weinstube tätig. Dort lernten sie sich beruflich und privat knäher kennen. Seitdem führen sie gemeinsam das traditionsreiche Haus.


Wie der Guide Michelin zurecht schreibt: „Hier kann man sich nur wohlfühlen! Das Stadthaus von 1826 sprüht nur so vor Charme: Drinnen verbreiten die traditionellen holzgetäfelten Stuben Gemütlichkeit, draußen sitzt man herrlich im reizenden Innenhof mit Feigen- und Kastanienbaum. Und dazu kümmert man sich auch noch wirklich überaus freundlich um Sie. Gekocht wird klassisch-regional und mit mediterranem Einfluss.“


Um nur ein paar Gerichte zu nennen, die das Niveau, die Kreativität und die Vielseitigkeit der Küche veranschaulichen: Confierter Label Rouge Lachs mit Linsen und Sesam, Duett vom Rind mit geschmorter Pastinake, Gebratener Rheinbarsch vom Fischer Göbel mit Grünkohl, Feldsalat mit Speck und Kracherle, Carpaccio vom Rind mitPecorino, Maronen-Schaumsuppe mit Blutwurst, Medaillon vom Kabeljaurücken auf Pastinaken-Hummus, Gebratenes Zanderfilet mit Bayrisch Kraut, Rosa gebratene Lammhüfte auf Senf-Wirsing, Feldsalat mit Himbeerdressing, Speck & Kracherle, Hummer mit Pastinake und Kumquat, Parfait von der Gänseleber mit Quitte und Brioche, Topinambur-Schaumsüppchen mit Ricotta und Trüffel, Schweinebäckchen mit Zwiebel und Senf, Jakobsmuschel mit Chawanmushi, Kürbis & Ingwer, Petersilienwurzel im Dashi gegart mit Buchweizen, Rhein-Zander vom Fischer Göbel mit Grünkohl, Steinbuttmit Rote Beete und Orange, Rinderfilet mit Portobello, Trüffel und Blumenkohl, Medaillons vom Hirschkalbsrücken mit Rotkohl.


Ich dachte immer, es sei eine der besten Küchen im Südwesten Deutschlands. Bei unserem gestrigen Besuch wurden wir eines Besseren belehrt. Das Personal (ein Kellner) war hochnäsig. Der Gruß aus den Küche war bescheiden. Wir waren entsezt über die schmale Menükarte, die Qualität der Speisen, noch mehr über die horrenden Preise. Nein, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht mehr. Da sind wir andere Standards gewohnt. Gewiss, man klagt über das fehlende Peronal. Verständlich. Doch das geht allen Gastromen so, derzeit.


Eine große Ettäuschung!