Leipzigs Stadtpfeiffer

Dieter David Scholz



Große Kochkunst - Eine  kulinarische Institution, Leipzigs „Stadtpfeiffer“

 

 

Der Name "Stadtpfeiffer" läßt an Butzenscheiben denken und an die Gemütlichkeit "gehobener bürgerlicher Küche", an das eben, was zu DDR-Zeiten und auch danach das alte Restaurant gleichen Namens am selben Ort auszeichnete. Nichts davon im heutigen "Stadtpfeiffer". Alle bieder gediegene Behaglichkeit im imitierten Butzen-scheibenambiente ist aus dem Restaurant verschwunden. Mit eigenem Stilwillen, viel Geschmack und puriotischer Konsequenz haben Petra Jürgens und Detlev Schlegel ihr Restaurant in die gastronomische und kulinarische Spitzenriege gehievt, lange Zeit war es die Nummer Eins in Leipzig.


Schon die Location besticht durch Schlichtheit und schnörkellose Konzentration aufs Wesentliche. Ein weißer Raum, wenige Tische, weiße Tischwäsche, schlichtes Tafelsilber, Designerstühle und milchig transparente Flächen vor Glaswänden, die den Blick in den tristen Betonunterbau des Neuen Gewandhauses mildern, in dem sich das außergewöhnliche Restaurant befindet,  auch den auf den „steilen Zahn“ von Leipzig. Immerhin beste Lage mitten im Zentrum Leipzigs. Wenige unkonkrete Glasmalereien mit Meerestierassoziationen setzen einige willkommene Farbak-zente. Das moderne Interieur und die klare, helle, Atmosphäre entsprechen ganz der Küche Detlef Schlegels.


Er setzt auf frische Zutaten, strengen Purismus der Aromen und Kombinationen. Keinerlei exotische Geschmacksexplosionen oder Aromenanhäufungen erwarten und überreizen Einen.  Dabei lässt er  mitnichten an Phantasie mangeln. Im Gegenteil! Er weiß Eigengeschmack, Gewürz und Aroma intelligent zu vereinen und zu steigern. Sein Fenchel-Safran-Fond, auf den er perfekt gebratene Jacobs-muscheln setzt, ist eine schaumige Gaumenfreude von verführerischer Sinnlichkeit. Auch das Selleriepüree, das er zu gebratenem Wolfsbarsch und Pata-Negra-Schinken reicht, ist eine Köstlichkeit. Von besonderer Delikatesse ist sein Hummer auf abgezogenem, rotem Paprika al dente. Auch das eine ästhetisch, nicht nur geschmacklich so kreative wie vorzügliche Kombination. Eine besondere Gour-mandise ist sein roh marinierter, papierdünn geschnittener Stör mit einem Hauch von Lemonen zu Imperial Kaviar. Und wenn einem dann noch, wie mir widerfuhr, die Überraschung zuteil wird,  als Kostproben der Küche vorab frische Papillon-Austern, zwischendurch irischen Lachs bzw. Lachstartar und schließlich Limetten-Champagner-Sorbet gereicht zu bekommen, ist die Freude groß.


Überzeugend und klug ist auch die auf Frankreich, Italien und Deutschland beschränkte Weinkarte, die mit Bestem, Interessantem und Ausgefallenem aufwartet. Zu Preisen, die nicht überzogen sind. Die Preise sind, zumal in Leipzig, zwar riskante Spitzenpreise, aber sie sind dem vom Guide Michelin zurecht mit einem Stern ausgezeichneten Niveau der Küche mit ihrer erstklassigen, frischen  Zutatenqualität, der exzellenten Zubereitung und der effektvollen, aber nie überkandidelten Darbietung auf dem Teller angemessen. In anderen Städten zahlt man für die Einsterneküche meist mehr. Ein preiswertes Angebot an alle Kon-zertbesucher des Gewandhauses ist das dreigängige Menü "Vor dem Konzert".


Nicht zu vergessen der von der charmanten Petra Jürgens geleitete vorbildliche Service. Selten erlebt man in der Gastronomie (des östlichen Deutschlands) soviel unaufdringliche Freundlichkeit, perfekte Umgangsformen, kompetente Bedienung und diskrete Aufmerksamkeit bei  gleichzeitig auf´s Wohl der Gäste bedachter Zurückhaltung. Ein konkurrenzloses Restaurant in Leipzig und weit über Leipzig hinaus.  


04104 Leipzig

Augustusplatz 8 (Neues Gewandhaus)

Internet: www.stadtpfeiffer.de



 

Beitrag auch in MDR, Figaro am Mittag 2004