Der Wagner-Biograph Martin Gregor-Dellin

Dieter David Scholz

 

 

Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung

Symposion anläßlich des 25. Todestages von Martin Gregor-Dellin:

Vortrag in Weißenfels, Literaturkreis Novalis, 14.06.2013

 

Fakten, Fiktion, Fantasien...

Der Wagner-Biograph Martin Gregor-Dellin

 

 

Meine Damen und Herren,

obwohl die biographische Auseinandersetzung mit Richard Wagner und seinem Werk schon seit Wagners Tod andauert, ist sie in Vielem so emotional und kontrovers wie eh und je. Nur über wenige Gestalten der Welt-geschichte ist so viel geschrieben worden wie über Richard Wagner. Er gehört neben Friedrich Nietzsche mit "Karl Marx, Sigmund Freud und Martin Heidegger zu denjenigen Autoren des deutsch-prachigen Raumes, die die europäische Geistesgeschichte bis heute am nachhaltigsten beeinflußt haben"1. Wenn dieses sogenannte Wagner-Jahr ( worüber oft vergessen wird, dass auch Giuseppe Verdi vor 200 Jahren geboren wurde, Georg Büchner ebenso, Jean Paul sogar 250 Jahre geworden ist) etwas brachte, ist es zuminest die Einsicht, dass Wagner noch immer ein großer Verführer, ein Hypnotiseur ist, dessen Musik, dessen Musikdrama sich bis heute massenwirksam vermarkten lässt und an Attraktivität, an Brisanz und Faszination seit dem Tod des Komponisten 1883 offenbar nichts eingebüsst zu haben scheint. Und alle verdienen noch immer gut an ihm: Verlage, Schallplattenfirmen, MusikIndustrie, Konzert- und Opernhäuser. Berge an neuer Wagnerliteratur sind erschienen, obwohl doch fast alle Fragen in Sachen Wagner eigentlich längst beantworte sind.

 

Unmengen biographischer Publikationen haben dazu beigetragen, daß die Wagner-Literatur ins Gigantische anwuchs. Jede Generation hat ihre Sicht auf Wagner in neuen Biographien kundgetan. Wobei in den seltensten Fällen Neues darin zutage gefördert wurde. Wie kein anderer Künstler des neunzehnten Jahrhunderts hat Richard Wagner – nicht als Komponist, sondern als Essayist und dabei nicht immer als sympa-thische Persönlichkeit, die zu allen möglichen Zeitfragen ihren Senf dazugab - unter seinen Verteidigern und Verächtern kontroverse und emotionsgeladene Debatten hervorgerufen – im Grunde bis heute. Wissenschaft, öffentliche Meinung und Biographien sind noch immer geprägt von subjektiven, vorurteilsbelasteten, diver-gierenden Urteilen über Wagner.

 

Wagner ist kein einfacher Fall! Man muss sich schon genauer mit ihm beschäftigen, um die Zusammenhänge zu verstehen und sich ein Urteil über ihn erlauben zu können. Jedes vorschnelle, pauschale Urteil über Wagner führt in der Regel zu Fehleinschätzungen und unangemessenen Simplifikationen. Die Wagnerliteratur – zumal die deutsche - ist voll davon. Schon Friedrich Nietzsche hatte das erkannt und konstatierte: Richard Wagner ist „unter Deutschen …ein Missverständnis“.2 Vielleicht muß man Engländer sein, um sagen zu dürfen, was Peter Gay in seinem Buch über Deutsche und Juden schrieb, dass für die Deutschen nach 1945 die Suche nach den Wurzeln des Holocaust „zu einer Zwangsvorstellung“ geworden ist, „so daß sie die ganze Vergangenheit nur noch als ein Vorspiel zu Hitler sieht und jeden angeblich deutschen Charakterzug als einen Baustein zu jenem schrecklichen Gebäude, dem Dritten Reich"3 Auch Wagner wurde und wird ja nach wie vor von Vielen als ein solches Vorspiel betrachtet…

 

Martin Gregor-Dellin allerdings hat sich nicht nur in seiner 930-seitigen Biographie, die 1980 erschien, gegen solche Einordnung Wagners ausgesprochen. Beim Inter-nationalen Wagner-Kolloqium 1983 in Leipzig hat er seine Haltung auf den Punkt gebracht, als er sagte: „Das gestörte Verhältnis der Deutschen zu Richard Wagner ist das gestörte Verhältnis zu ihrer Geschichte“.4

 

Martin Gregor-Dellin hat als Erster den Versuch unternommen, jenseits von Polemik und Attacke, ideologischer Vereinnahmung oder Anklage ein differenziertes, weit ausholendes Wagnerbild zu entwerfen. - Was Ulrich Konrad im Mozartjahr 2006 für seine Mozartbiographie postulierte, sollte auch für eine Wagnerbiographie gelten: zu vermeiden, „in die vielen Lücken unserer Kenntnis von Lebenslauf und Persönlichkeit ... den gefügigen Kitt erzählerisch-spekulativer Phantasie zu schmieren.“5 Leider hat Martin Gregor-Dellin dieser Versuchung nicht widerstanden.

 

"Zu historischem Verständnis aufzurufen und Einsicht walten zu lassen, bedeutet nicht zugleich, abzustreiten und zu verniedlichen, was geschah, "6 hat der britische Historiker Peter Gay angemahnt. Und auf die Einsicht Theodor W. Adornos hat noch immer Gültigkeit: Wagner erkennen „heißt, die Ambivalenzen bestimmen und ent-ziffern, nicht, dort Eindeutigkeit herstellen, wo die Sache zunächst sie verwei-gert."7

 

Beides, historisches Verständnis und das Verständnis für Wagners Ambivalenzen, kann man Martin Gregor-Dellin nicht absprechen. Aber er hat doch die europäische Dimension Wagners etwas vernachlässigt, wie ich finde, und anders als ich, nicht zum Leitfaden seiner Biographie gemacht, sondern eher eine Art „deutschen Bildungs-roman“ geschrieben, von Vatersuche und Mutterbindung über Wilhelm Meisters Jugend, Dr. Richard Faust in Dresden, Die Welt als seine Vorstellung, Befestigung eines Lebens im Wort, bis hin zu Machtgeschützter Innerlichkeit, Deutschem Geist und Abendland und zur Totenklage, um nur einige bezeichnende seiner Kapitelüber-schriften zu zitieren.

 

Aber man kann sich mit Wagner nur ernsthaft beschäftigen, wenn man ihn im europä-ischen Zusammenhang begreift. Die Fakten sprechen ja für sich. „Mehr als die Hälfte seines Künstlerlebens verbrachte Wagner jenseits deutscher Grenzen, und die patrio-tischsten Passagen seines Werks entstanden außer Landes, “8 wie Michael von Soden in seinem Wagnerreisführer schreibt.

 

Richard Wagners Sehnsucht, die Grenzen Deutschlands zu überschreiten und künstle-rischer Europäer bzw. europäischer Künstler zu werden, reichen bis in seine Jugend zurück. Bereits mit einundzwanzig Jahren, am 10. Juni 1834, veröffentlichte Wagner in Heinrich Laubes „Zeitung für die elegante Welt“ seinen Aufsatz „Die deutsche Oper“. Schon dort erhob er die Forderung: der deutsche Künstler müsse endlich europäisch werden und „das wahre, warme Leben packen“, denn so Wagners Gegen-wartsanalyse: "eine deutsche Oper haben wir nicht. ... Wir sind zu geistig und viel zu gelehrt, um warme menschliche Gestalten zu schaffen. ... O, diese unselige Gelehrtheit, - dieser Quell aller deutschen Übel!"9 Nur der werde zeitgemäß und erfolgreich sein, "der weder italienisch, französisch – noch aber auch deutsch schreibt."10

 

Europäisch-universell zu sein, als Künstler und als Mensch, war das Ideal Richard Wagners. Er eiferte diesem Ideal nicht erst seit seiner Lektüre von Heinrich Laubes Roman "Das junge Europa" nach. Seine umtriebige, schon früh Deutschland und die Deutschen fliehende Vita ist ein Musterbeispiel dafür, wie ein Komponist sich der bürgerlichen Domestizierung und Sesshaftwerdung in gesicherten materiellen Verhältnissen widersetzt, um „das wahre, warme Leben“ und dessen utopischen Reflex in der Kunst gegen alle Widrigkeiten von Gesellschaft und Politik, Privatleben und öffentlicher Erwartung zu realisieren. Zwar waren Dresden, Leipzig und München Orte, in denen Wagner entscheidende Lebensabschnitte verbrachte, zu schweigen von der provinziellen Musenresidenz Bayreuth, aber das so genannte europäische „Ausland“ spielte eine weit wichtigere Rolle in seinem Leben.

 

Leider hat sich Martin Gregor-Dellin - wie mir einer seiner ehemaligen Mitarbeiter erzählte - nie die europäischen Wirkungs- und Wohnorte Wagners einmal in der Realität angeschaut. Man merkt es: Gregor-Dellins Beschreibungen sind reine Schreibtischerfindungen. Zumeist bleiben sie vage, konventionell, allgemein. Und manchmal sind ihm in Beschreibung und Bewertung derselben große Fehler unterlaufen, wie zum Beispiel in seiner 1982 erschienenen Bildbiographie, wo er behauptet, Wagner habe von Palermo aus das antike Theater von Segesta besucht. Reine Erfindung. Es gibt keinen einzigen Beleg dafür. Und die Sizilien-Reise Wagners ist ja gerade in Cosimas Tagebuch genauestens dokumentiert.

 

Entgegen der gern zitierten Marxschen Etikettierung Wagners als eines deutschen „Staatsmusikanten“11 darf man aus gutem Grund mit Friedrich Nietzsche behaupten: „daß er nirgendswo weniger hingehört als nach Deutschland; ... sein ganzer Typus steht unter Deutschen einfach fremd, wunderlich, unverstanden, unverständlich da,“ 12 ja dass „Wagner unter Deutschen bloß ein Mißverständnis ist“,13 das „Gegengift gegen alles Deutsche par excellence“.14

 

Wagner hat tatsächlich, wie Jacques Offenbach und Heinrich Heine, die meiste Zeit seines Lebens im Exil gelebt. Er hat fern der deutschen Heimat einen Großteil seines Oeuvres konzipiert und ausgearbeitet, er hat die wesentlichen Impulse und Anregungen für sein künstlerisches und essayistisches Werk auf Reisen quer durch Europa erhalten. Bei Martin Gregor-Dellin kann man es nachlesen, aber nur episodisch gewissermassen, beiläufig in einer Biographie vor allem eines „großen Deutschen“, als den Gregor-Dellin Wagner darstellt. Doch gerade Wagners lebens-lange, europaweite Mobilität erklärt sein permanentes Träumen von einer deutschen „Heimat“, die allerdings mit der realpolitischen deutschen Wirklichkeit nicht wirklich viel zu tun hatte. In einem Brief vom 13. September 1860 an Franz Liszt bekannte Richard Wagner: „Mit eigentlichem Grauen denke ich jetzt nur an Deutschland ...Und wenn ich »deutsch« bin, so trage ich sicher mein Deutschland in mir.“15. Aber schon 1835 – er war gerade 22 Jahre alt - bekannte Wagner seinem Leipziger Freund Theodor Apel: „hinweg aus Deutschland gehöre ich!“16

 

Das Kernprobleme aller Wagnerbiographik ist die Tatsache, dass es leider keinen kontinuierlichen Fortschritt in der Wagnerforschung gibt. Stattdessen werden - selbst von Autoren, die es besser wissen müssten - immer wieder alte biographische Klischees, Vorurteile und Legenden aufgewärmt. Man befleißigt sich bedenkenlos der fragwürdigen Kunst des Weglassens und Hinzufügens. An gefühligen Wagner-Romanen, an Kitschbiographien, ideologisch einseitigen, zurechtgebogenen Lebens-beschreibungen – linker wie von recher Provenienz - mangelt es in der Wagnerli-teratur wahrlich nicht. Doch wer sich zuverlässig über Wagners Lebensverlauf informieren möchte, ohne immer wieder durch ausufernde Exkurse in Werk- und Epochen-, Milieu- und Gedankendarstellungen vom Wege abgebracht zu werden, kommt trotz der Fülle an Wagnerliteratur in Verlegenheit.

 

Karl Friedrich Glasenapps Monumentalbiographie „Das Leben Richard Wagners“ ist eine konkurrenzlose, positivistische Material- und Faktensammlung, freilich nicht frei von Mythisierung und Stilisierung, wie übrigens auch Wagners Autobiographie "Mein Leben". Alle späteren Wagnerbiographen haben sich aus Glasenapps Riesenwerk biographischer Fakten bedient, auch wenn er in seiner Mischung aus beflissener Sammel-Akribie und Verehrung, Stilisierung und Verklärung mit einiger Vorsicht zu betrachten ist. Doch Glasenapps Biographie taugt schon aufgrund ihres enzyklopä-dischen Umfangs nicht zur schnellen, gezielten biographischen Information, ganz davon abgesehen, dass sie von Cosima noch zu Lebzeiten Wagners in Auftrag gegeben wurde und letztlich dem Ziel einer Wagnerverklärung verpflichtet ist.

 

Die bewundernswerte, ebenfalls sehr umfangreiche Biographie von Ernest Newman, „The Life of Richard Wagner“ (1933-1946)17 ist die erste aber auch letzte „wissen-schaftliche“ Wagnerbiographie, die mit den geheiligten Symbolen des Wagnerschen Evangeliums zum ersten Mal aufräumte, ein Markstein der Wagnerforschung, aber sie referiert den Wissensstand von 1946. Dennoch ist es bedauerlich, dass sie nie ins Deutsche übersetzt wurde.

 

Martin Gregor-Dellin18 hat mit seiner Wagnerbiographie, „Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert“ von 1980 insofern eine Lücke geschlossen, als er auf dem Wissensstand der Zeit ihres Erscheinens eine Biographie vorlegte, die allerdings zum schnellen Nachschlagen und exakten Informieren auch nicht geeignet ist, und auch nicht ganz zuverlässig. Vor allem aber hat er Thomas Manns berühmtes Wort zum Motto seiner Biographie gemacht: „Leidend und groß, wie das Jahrhundert, dessen vollkommener Ausdruck sie ist, das neunzehnte, steht die geistige Gestalt Richard Wagners mir vor Augen“19.

 

Ich will es nicht verkennen: Martin Gregor-Dellin hat ein grandioses Panorama dieses Wagnerjahrhunderts vor dem Leser auszubreiten verstanden. Allein seine einge-streuten Miniaturbiographien jener Persönlichkeiten, die Wagners Lebensbahn kreuzten und beeinflußten, nötigen Respekt ab. Man denke nur an seine Schilderung des Pariser Aufenthalts Wagners, seine Beschreibungen des Gelehrten Samuel Lehrs, des Verlegers Schlesinger oder des Dresdener Malers Ernst Benedikt Kietz, um nur einige zu nennen.

 

Aber, auch dass darf nicht verschwiegen werden: Gregor-Dellin hat gelegentlich die Grenze zwischen nachprüfbaren Tatsachen und erzählerischer Phantasie weit überschritten. Auch hat er sich großzügig aus Glasenapps gewaltigem Fundus, wie aus Wagners Autobiographie und den Tagebüchern Cosimas bedient, ohne die Zitate immer zu kennzeichnen. Dass er als Mitherausgeber der Cosima-Tagebücher gelegentlich sogar Cosimas Notizen in seinem Sinne leicht abänderte, gehört nicht zu seinen Ruhmestaten.

 

Das Verdienst Gregor-Dellins ist unbestritten die Tatsache, die erste sachliche, neutrale, weit ausholende, die Widersprüchlichkeit Wagners betonende Biographie nach 1945 geschrieben zu haben. Nun stand ihm allerdings auch eine neu erschlossene, und eine der wichtigsten Quellen der neueren Wagnerforschung zur Verfügung: Gregor-Dellin war der Erste, der in großem Stile neben Wagners Briefen (die bei ihm allerdings zu kurz kommen) Cosimas Tagebuchnotizen für seine Wagnerdarstellung verwenden konnte. Um so erstaunlicher finde ich es, dass er als Mitherausgeber dieser Tagebücher die Ehe Wagners und Cosimas dp verklärt. Die Realität war ja wohl ganz anders.

 

Gerade in den Tagebüchern offenbart sich der spezifische Charakter Cosimas in Vielem als "Projektion" ihres immensen Schuldgefühls gegenüber Hans von Bülows, den sie Wagner zuliebe verlassen hat, als Ventil eines extremen Unwertgefühls gegenüber Richard Wagner.20 So heißt es in einer Notiz vom 29. 12. 1877 zum Beispiel: "Das Gefühl meines Unwertes steigert sich täglich."21 Wagner unterwarf sie sich völlig, verehrte ihn nicht nur, sondern fiel vor ihm auf die Kniee, wie sie es später auch von der Welt verlangte. Sie betete ihn an als künstlerisches Genie und als "gewaltige Rettung des germanischen Geistes"22. Richard erscheint ihr "immer göttlich und einzig"23, jedes "Wort von ihm", so schreibt sie, ist ihr "ein Glaubens-satz".24 Deswegen notiert sie auch alles, was ihr Gedächtnis zu speichern vermag, sorgfältig in ihr Tagebuch. Es wimmelt in den Tagebüchern aber auch von selbst-quälerischen, pathologisch anmutenden Bekenntnissen übergroßer Schuld- und Inferioritätsgefühle25. Eines der zentralen Probleme Cosimas war aber wohl, daß sie an ihrer Weiblichkeit litt. Sie vermochte kein natürliches Selbstwertgefühl als Frau zu entwickeln26, glaubte stets nur in selbstlosem Dienen ihrem schon damals anachro-nistischen konservativem Rollenideal von Frau genügen zu können27 (weshalb sie auch die Emanzipationsbewegung der Frauen mit Abscheu betrachtete28). Dienen betrachtete sie freudig als ein verdientes Büßen und Leiden, dem sie geradezu inbrünstig huldigte in einem geradezu neurotischen, wenn nicht gar psychopathischen Bewußtsein einer "Daseins-Schuld"29. Sie bekannte freiheraus: "wie todessüchtig ich bin"30. Auch sexuelle Probleme Cosimas scheinen die Beziehung mit Richard nachhaltig belastet zu haben. Schon 1869 stellt Cosima in der Sinnlichkeit bzw. Erotik eine deutliche Differenz zwischen ihr und ihrem Gatten Richard fest, dergestalt, "daß er Freude an Wohlsein und hübschen Dingen hat, während ich beinahe lieber entbehre als genieße"31. Schon etwas konkreter, heißt das im Zusammenhang von Gesprächen "'a propos von Geburten oder von Erzeugungen": "Nachmittags einigen Kummer, daß R. sich in seinen Neigungen nicht einschränken läßt."32 Richards spöttischer Kommentar zu ihrer asketischen Einstellung bei anderer Gelegenheit: "Ja ja, ich weiß, du möchtest auch gern solch eine Entsagungs-Wirtschaft hier einführen, ich weiß doch"33. Bereits am 12. November 1869 konstatiert sie: "ich glaube, ich wäre jetzt für das Kloster reif."34 Und noch am Abend des 13. Januar 1881 notiert sie: "Gute Nacht und stets dieselbe liebe Kloster-Ordnung."35 Wagner suchte nicht ohne Grund in diversen erotischen Eskapaden Zuflucht36, stets verfolgt von Cosimas Eifersucht.

 

Das alles kommt bei Gregor-Dellin entschieden zu kurz. Entgegen aller verklärenden, ja beschwörenden Formeln von der Einmaligkeit und der Idealität ihrer Ehegemein-schaft, zu der auch Martin Gregor-Dellin beitrug, drängt sich bei genauer, kritischer Lektüre der Tagebücher der Eindruck auf, daß diese Ehe nicht durchaus glücklich gewesen sein muß. Um so mehr versuchte Cosima, Wagner zu beeinflussen und zu stilisieren. In dieser Absicht fühlte sie sich zuständig für das, was man heute "Öffent-lichkeitsarbeit" nennt und zelebrierte in Wahnfried ein weihevolles Repräsentations-gehabe. Sie erledigte aber schon zu Richards Lebzeiten von 1869 an die geschäftliche Korrespondenz ihres Gatten und sie wird an der Gründung der "Bayreuther Blätter" nicht unwesentlich beteiligt gewesen sein. Nicht zuletzt war es ja auch sie, die die Herausgabe eines ersten Wagner-Lexikons initiierte37 und das Unternehmen der monumentalen Wagner-Biographie Glasenapps förderte38. Cosima nahm auch die finanziellen Angelegenheiten energisch und geschickt in die Hand. Vor allem aber entwarf sie konsequent ein einseitig geprägtes Bild vom "Bayreuther Meister", weihte Wahnfried und das Festspielhaus zu Tempeln einer fast sakralen Kunst, deren Höhepunkt sie im "Parsifal" erblickte, und Wagner zum sakrosankten Genius. Wenn überhaupt, dann ließe sich weit eher von Cosima behaupten, was Hartmut Zelinsky (der obsessivste Wagnerverächter) von Richard Wagner behauptet, daß er sich "als Religionsstifter und Bayreuth als religiöses Erlösungszentrum verstand"39. Man kann Horst Althaus nur zustimmen: "Cosimas Anteil an dem, was unter dem Bayreuther Wagner zu verstehen ist, kann von den ersten Anfängen an nicht hoch genug veran-schlagt werden."40 Auch das hat Gregor-Dellin erstaunlicherweise nicht gebührend deutlich herausgestellt.

 

Vor allem aber hat er, der die Cosima-Tagebücher genauer kannte als jeder andere, sich in Sachen des Antisemtismus Wagners, der sich in Cosimas Tagebüchern ja präzise bestimmen lässt, einer bemerkenswert diffusen Vernebelungs-Taktik bedient, um ihn zu entschärfen, ja zu entschuldigen.

 

Mit romantisch-pathetischer Verklärung, in zuweilen blumig poetischer Sprache und unter Zuhilfenahme eines quasi psychoanalytischen Argumentationsschemas versucht Gregor-Dellin, Wagner von seinen charakterlichen Defekten reinzuwaschen, als deren einen er auch den Antisemitismus verstanden haben möchte, nämlich als Folge einer als außerordentlich leidvollen Vita, insbesondere einer traumatischen frühen Kindheit: "Irgend etwas hatte ihm eine Wunde zugefügt, die nicht heilen wollte"41, heißt es bei Gregor-Dellin. "Die tiefen seelischen Verstörungen"42 der Kindheit, als da genannt werden: "Verlust- und Existenzangst"43, extrem "starke Mutterbindung"44, auch vom "vielfachen Einbruch des Todesschreckens"45 in das kindliche Leben ist die Rede. All dies hätten "jene Funken in die Seele des Kindes gegraben, die das widersprüchliche Wesen Richard Wagners mit prägten."46 Gregor-Dellin entschuldigt Wagners Antise-mitismus als eine Art "verkappte Religion" und Heilslehre.47 Er betrachtet Wagners Antisemitismus als, ich zitiere, "Ersatzlösung für das unbewältigte Lebens- oder Gesellschaftsproblem."48 Manche seiner Kritiker haben Gregor-Dellin denn auch vorgeworfen, mit seiner Biographie Wagners eine Rettungslegende geschrieben zu haben.

 

Auch wenn Gregor-Dellin auf Wagners Ressentiments gegen Meyerbeer und Mendelssohn, Wagners Haß auf die Reichen, Wagners Vaterlosigkeit und Wagners "Wut aus schlechtem Gewissen"49 als Motive eines Judenhasses zu sprechen kommt, er löst leider nicht ein, was er als Postulat aufstellt: "Der Antisemitismus Wagners bedarf ... einer eingehenderen Analyse, da sich in ihm Privates, Ökonomisches und Rassistisches zu einer gefährlichen Pseudo-Ideologie vermischten."50 Nicht zuletzt diese uneingelöste Aufforderung hat mich vor Jahren motiviert, ein Buch über Wagners Antisemitismus zu schreiben und dieses komplexe Phänomen umfassend zu analysieren. Es ist vor wenigen Tagen als aktualisierte Neuausgabe wieder im Handel.

 

Meine Damen und Herren, auf eine der von Wagnerverächtern am häufigsten und nicht selten mit Häme benutzten Thesen zur Erklärung des Wagnerschen Antise-mitismus möchte ich noch zu sprechen kommen, denn sie erweist sich bei genauerem Hinsehen als bloßes Gerücht, allerdings als eines der anscheinend unausrottbaren Gerüchte der Wagner-Literatur: das von der angeblich jüdischen Abstammung Richard Wagners. Es ist gerade-zu kennzeichnend für die Wagner-Literatur, wie an dieser These, allen neueren Erkenntnissen zum Trotz, bis heute immer wieder und immer noch festgehalten wird. Das Gerücht von Wagners jüdischer Abstammung ist ja bereits von Zeitgenossen Wagners ausgestreut und verbreitet wor-den51, vor allem von einem der intimsten Wagner-Kenner, von Friedrich Nietzsche, der schrieb: "Sein Vater war ein Schauspieler Namens Geyer. Ein Geyer ist beinahe schon ein Adler..."52 Eine folgenreiche Unterstellung, die sich hartnäckig halten sollte, auch wenn bereits Julius Kapp 53 in seiner populären Wagner-Biographie (1910) und Otto Bournot 1913 in seiner eingehenden genealogischen Studie wußten, daß die Vorfahren Ludwig Geyers, Wagners Stief- und, Spekulationen zufolge, möglicherweise auch Wagners leiblicher Vater, keinesfalls jüdischer, sondern protestantischer Konfession gewesen seien. Die Wagner-Literatur ist voll von solchen und ähnlich pikanten Unterstellungen, Wagners Judenhaß gründe sich im tiefsten auf so etwas wie "jüdischen Selbsthaß"54, der sich nähre von der Angst Wagners, leiblich von seinem vermeintlich jüdischen Stiefvater Ludwig Geyer abzustammen.

 

Noch immer wird mit dieser Hypothese sein zuweilen aggressiver, affektgeladener Antisemitismus erklärt. Auch und gerade Theodor W. Adorno hat jenes Nietzschesche Vorurteil übernommen: Wagners Antisemitismus bekenne "sich als individuelle Idiosynkrasie“ und mit den Worten Walter Benjamins - das lange gehegte Gerücht von der Angst Wagners, "vom ekelhaften Objekt als dessengleichen erkannt zu werden"55. Radikalster Nachbeter Adornos war ohne Zweifel Hartmut Zelinsky, der geradezu so etwas wie eine postume Abstammungs-Diskreditierungs-Kampagne gegen Wagner startete und behauptete, bei Wagner das "Bewußtsein" zu bemerken, "ein oder wie ein Jude zu sein." Dieses vermeintlich jüdische Bewußtsein Wagners ist für Zelinsky der "psychische Knotenpunkt seiner Existenz"56 und der Autor glaubt hieraus ableiten zu dürfen, "daß das Judenthema im Grunde Wagners einziges Thema überhaupt"57 sei. Des weiteren leitet Zelinsky daraus eine zentrale antisemitische "Werkidee", einen "präzisen und kalkulierten Lebens- und Werkplan"58 Wagners ab, der den Kerngehalt des gesamten theoretischen und musikdramatischen Werks bestimme. Eine so monumentale wie wissenschaftlich unhaltbare These. Zwar hat Martin Gregor-Dellin sie in seiner Wagnerbiographie zurecht und unmissverständlich als "Unfug"59 abgetan. Dennoch betont er, und das kann nicht anders als verwunder-liche, ja medisante Unterstellung aufgefasst werden, dass der Antisemit Wagner am 22. Mai 1813 auf dem Brühl Nr.3, im Hause zum "Rot und Weißen Löwen", mitten "im Judenviertel", geboren sei, so Gregor-Dellin wörtlich auf S. 14 seiner Biographie.

 

Meine Damen und Herren, ein Blick in die Stadtgeschichte Leipzigs widerlegt Gregor-Dellins Behauptung: Der Leipziger Brühl 60 zur Zeit der Geburt Richard Wagners war während der Leipziger Messen die (seit etwa 1687) bevorzugte Straße, in der die jüdischen Meßbesucher (hauptsächlich polnische und russische Händler, vor allem Rauchwarenhändler) Unterkunft gefunden hatten. Leipzig wurde seit dem achtzehnten Jahrhundert ja zum "Sammelpunkt der Rauchwaren europäischen, russischen, sibirischen und zentralasiatischen Ursprungs für den Weiterverkauf nach der ganzen übrigen Welt."61 Der Leipziger Brühl als Siedlungsort der Juden war zu Beginn des 19. Jahrhunderts allerdings noch relativ neu, denn erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durften sechs jüdische Familien in Leipzig seßhaft werden (um 1800 zählte die jüdische Bevölkerung Leipzigs zwischen 40 und 50 Seelen). Seit ihrer Verbannung aus Leipzig im Jahre 1543 durch Herzog Moritz von Sachsen gab es bis etwa in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts keine ansässigen Juden mehr in Leipzig. Die neuangesiedelten Juden hatten sich zunächst am Fleischerplatz62, später haupt-sächlich im Brühl und seinen Seitengäßchen niedergelassen. Nur in diesem sehr eingeschränkten Sinne darf man vom Brühl als einer Art "Judenviertel" sprechen, wobei der Begriff irreführend ist, da es sich nicht um ein überwiegend von Juden bewohntes Gebiet handelt. Das eigentliche Ghetto der bereits vom Ende des zwölften bis weit ins fünfzehnte Jahrhundert hinein in Leipzig seßhaften Juden beschränkte sich auf eine "Judengasse am Rande der Stadt, außerhalb der Stadtmauer, an der Straße, die von Merseburg nach Leipzig führte, nahe der Pleiße." Die Tatsache, daß Richard Wagner im Brühl geboren wurde, besagt also rein gar nichts, von einem "Ghetto" oder Judenviertel kann nicht wirklich die Rede sein. Und es ist mir unver-ständlich, was Gregor-Dellin mit dieser Behauptung andeuten wollte. Es waren rein praktische, berufliche Gründe seitens des Vaters Wagners, die ihn dazu bewogen haben mochten, im Brühl Wohnung zu beziehen. Er war "erster Actuarius im Königlichen Polizeiamte im Brühl"63.

 

Auch wenn Gregor-Dellin da eine falsche Fährte gelegt hat: Er hat immerhin die genealogische Lücke in der Herkunft von Wagners Mutter endgültig geschlossen: Die weiblichen Ahnen Richard Wagners waren ausnahmslos Töchter kurfürstlich-, bzw. königlich sächsischer Handwerker, Pastoren und Schulmeister. Auch die Mutter Richard Wagners, Johanna Rosine Pätz (über die Schreibweise des Namens wird gestritten), war die Tochter eines Handwerkers, nämlich des Weißenfelser Bäcker-meisters Pätz. Es gab Gerüchte über eine vermeintlich illegale Abstammung der Johanna Rosine Pätz vom Weimarischen Fürstenhause, die sogenannte "Prinz-Constantin-Hypothese"64, Mutmaßungen, die Richard Wagner selbst in Gang gesetzt hat durch obskure Bemerkungen über seine Mutter in seiner Autobiographie. Seit der Veröffentlichung einer Studie von Voler L. Sigismund über den Prinzen Constantin von Sachsen-Weimar (1984)65 lassen sich, mehr zufällig allerdings, die Zusam-menhänge zwischen dem Weimarischen Fürstenhaus und Richard Wagners Mutter endgültig klären. Martin Gregor-Dellin hat diese Quelle der Wagner-forschung (1985) als Erster entdeckt und ausgewertet. Seinem Fazit ist nichts hinzuzufügen: "Johanna Rosine war nicht die Tochter des Weimarer Prinzen - sie war seine Geliebte!"66

 

Trotz dieser kritischen Einwände möchte ich zum Schluß noch einmal betonen. Martin Gregor-Dellin war der Erste, der nach Carl Friedrich Glasenapp und Ernest Newman, dieses widersprüchliche, in sich brüchige Komponistenleben, diese exzentrische Persönlichkeit, ihr inkommensurables Werk und ihrn schillerndes, aufregendes, vielfältiges Jahrhundert so detailliert, so gelassen, so wohlwollend, frei von allen deutschen Traumata, so plasisch und anschaulich dargestellt und beschrieben hat, wie aus einem Guss: Wagner in seiner Zeit, bedingt durch seine Zeit und als Spiegel seiner Zeit, als irritierender, irrlichternder Brennpunkt vieler wesentlicher Strömungen und Tendenzen des 19. Jahrhunderts.

 

Martin Gregor-Delllin war ein großer Erzähler. Er hat uns Wagners Leben erzählt, gewissermassen nach dem Verdischen Motto: „Die Wahrheit erfinden ist besser als sie abzubilden". Und so hat Gregor-Dellin Wagner mit erklärendem, aber auch verklä-rendem Nebel des Poetischen, um nicht zu sagen des Ungenauen, des Schrullig-Sympathischen umgeben. Damit hat er den wahren Wagner leider eher verhüllt denn enthüllt. Wo er nicht weiter wußte, hat er angedeutet. Man lese nur einmal die Briefe Wagners, da zeigt sich ja ein sehr viel schärferes, kantigeres, kompromissloseres, vor allem politischeres Profil als bei Gregor-Dellin, der die gesellschaftskritische und anarchische Dimension des Wagnerlebens mokant herunterspielte und für Wagners jungdeutsche, vormärzlichen Aktivitäten ebensowig Sinn hatte wie für Wagners uglaublichen Humor. Cosima hat ihn eindrucksvoll dokumentiert. Gregor-Dellin - ein großer Thomas Mann-Kenner - hat im Grunde Thomas Manns These biographisch eingelöst: „Sein Werk ist der deutsche Beitrag zur Monumental-Kunst des neunzehnten Jahrhunderts, die bei anderen Nationen vorzüglich in der Gestalt der großen sozialen Romandichtung erscheint. Dickens, Thackeray, Tolstoi, Dostojewski, Bal-zac, Zola – ihre mit demselben Hang zur moralistischen Größe getürmten Werke sind europäisches 19. Jahrhundert, literarisch gesellschaftskritische soziale Welt.“ S. 802 (wie es in Leiden und Größe Richard Wagners heißt) ...Auch wenn Gregor-Dellin nicht ohne Scheuklappen auskam, und es an Genauigkeit mangeln liess, wie ich anhand einiger Beispiele dargelegt habe, er hat immerhin Wagner als eine der wider-sprüchlichsten Gestalten der neueren Kulturgeschichte erkannt und die Gleichzei-tigkeit des Ungleichen in Wagner dargestellt: den Bourgois und den Revolutionär, den liebedienerischen Königsfreund und das giftige, von Missgunst, Sozialneid und Ehrgeiz zerfressene Pumpgenie, den nach Sesshaftigkeit sich sehnenden und doch seiner Wolkenkuckusheime wegen immer wieder alle Sicherheiten ausschlagenden Anarchisten, den Bürgerschreck und den Bohemien, den Chauvinisten wie den Kosmopoliten. Man darf Martin Gregor-Dellins Wagnerbiographie – und damit komme ich zum Ende meiner Ausführungen - nicht alles glauben, was sie behauptet. Und Vieles findet man in ihr gar nicht. Es ist eher eine Roman- als Dokumentarbio-grafie, eine "biographie romanesque". Auch wenn sie seit drei Jahrzehnten als die Standardbiographie Wagners gilt: Von heute aus betrachtet hat Gregor-Dellin nicht das letzte Wort in Sachen Wagner gesprochen.

 

 

 

 

Anmerkungen

 

1 Ulrich Müller (Hrsg.): Richard Wagner 1883-1983, Die Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert, Ge-sammelte Beiträge des Salzburger Symposiums, Stuttgart 1984, S. III (Vorwort).

2 Nietzsche, Friedrich: Ecce homo. In: Werke Bd. 2, S. 1092

3 Peter Gay: Freud, Juden und andere Deutsche, op. cit., S. 27.

4 In: Leipziger Beiträge zur Wagner-Forschung 2, Markkleeberg 2010, S. 43

5 Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben, Musik, Werkbestand, 2005, S. 14

6 Peter Gay: Freud, Juden und andere Deutsche, Herren und Opfer in der modernen Kultur, Hamburg 1986, S. 13.

7 Theodor W. Adorno: Nachschrift zur Wagner-Diskussion, in: DIE ZEIT Nr. 41 v. 9. Okt. 1964, S. 22 f. Zitiert nach: Dietrich Mack: Richard Wagner. Das Betroffensein der Nachwelt, Beiträge zur Wirkungsgeschichte, Königstein/ Taunus 1985, S. 11.

8 Michael von Soden: Richard Wagner. Ein Reiseführer, Dortmund 1991, S. 13

9 RWSS, Bd. 12, S. 1 ff

10 RWSS, Bd. 12, S. 4

11 In einem Brief an Engels 1876 anläßlich der ersten Bayreuther Festspiele

12 Nietzsche, Bd. 3, S. 833

13 Nietzsche, ,Bd. 2, S. 1092

14 Nietzsche, Bd. 2, S. 1091

15 RWSB, Bd. 12, S. 260.

16 RWSB, Bd. 1, S. 206.

17 Newman

18 Gregor-Dellin: Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert, München 1976

19 T. Mann, Leiden u. Größe der Meister, S. 716 >(Leiden und Größe Richard Wagners)

20 Ein Unwertgefühl, das sie als Herrin von Bayreuth nach seinem Tod in einem fanatisch-missionarischen Dienst am Werk ihres "Meisters" zu kompensieren suchte.

21 CT Bd. 2, S. 973.

22 CT Bd. 2, S. 725.

23 CT Bd. 1, S. 160.

24 CT Bd. 1, S. 342.

25 Am 31.1. 1871 heißt es: "den ganzen Tag möchte ich beten, büßen, danken!" (CT Bd. 1, S. 350); "mich laßt mit Fassung leiden," so schreibt sie im Gedenken an ihre Kinder, "daß meiner Sendung ich nie vergesse" (CT Bd. 2, S. 1044).

26 Nicht uninteressant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß sie, psychologisch gesprochen, immer auf der Suche nach der Mutter war, die sie ja in der Tat in ihrer von Gefühlsarmut und Liebesentzug bestimmten Kindheit schmerzlich vermißte. Am 20. 2. 1869 schreibt sie im Tagebuch: "wie glücklich ich jetzt sein würde, wenn ich eine Mutter hätte! Eine Mutter, die alles verstünde" (CT Bd. 1, S. 60)

27 So heißt es z.B. über ihre Rollenvorstellung der Frau: "die tierische Geduld zur heiligsten Aufopferung erhebend, so begreife ich sie" (CT Bd. 3, S. 335) Vgl. auch CT Bd. 1, S. 138, 270, 278.

28 siehe CT Bd. 2, S. 765.

29 CT Bd. 1, S. 240.

30 CT Bd. 1, S. 137.

31 CT Bd. 1, S. 109.

32 CT Bd. 1, S. 173.

33 CT Bd. 1, S. 137.

34 ebd. S. 311.

35 CT Bd. 4, S. 664.

36 überzeugt davon, daß mit dem "Geschlechtstrieb... alle Produktivität zusammenhängt". (CT Bd. 1, S. 429)

37 CT Bd. 4, S. 978: "Mir gewährte Stein eine große Freude durch die Erfüllung meiner Bitte, an das Wagner-Lexikon zu gehen".

38 Über Glasenapp habe Richard Wagner (nicht zu unrecht) am 14. Juli 1878 folgende kritische Bemer-kung geäßert: "er mache die Toten lebendig und die Lebendigen tot durch seine Art, Biographien zu schreiben." ( CT, Bd. 3, S. 138)

39 Siehe Anm. 3.

40 Althaus, Richard Wagner, op. cit., S. 242.

41 ebd. S. 26.

42 ebd. S. 24.

43 ebd. S. 25.

44 ebd.

45 ebd.

46 ebd. S. 27.

47 ebd. S. 340.

48 ebd. S. 340 f.

49 ebd. S. 768.

50 ebd. S. 766.

51 Nicht zuletzt zeigt sich das auch darin, daß Wagner schon zu seinen Lebzeiten zum Gespött derer, die er haßte, in zahlreichen Karikaturen selbst als Jude dargestellt wurde. Siehe hierzu Manfred Eger: Richard Wagner in Parodie und Karikatur, in: Wagner-Handb., S. 760-777.

52 Friedrich Nietzsche: Der Fall Wagner. Erste Nachschrift, in: Colli/Montinari Bd. 6, S. 41 (Anmer-kung).

53 Julius Kapp: Richard Wagner, Berlin. 1910, S. 2 f.

54 Vgl. dazu: Theodor Lessing: Der jüdische Selbsthaß. Berlin 1930, Nachdruck München 1984.

55 ebd. S. 25.

56 Hartmut Zelinsky: Die "feuerkur" des Richard Wagner oder die "neue religion" der "Erlösung" durch "Vernichtung", in: Musik-Konzepte 5. Wie antisemitisch darf ein künstler sein?, hrsg. von H.-K. Metzger und R. Riehn. München 1978, S. 93.

57 ebd. S. 97.

58 ebd. S. 91.

59 ebd. S. 31 ff.

60 Das Wort "Brühl" wurde in ganz Sachsen und Thüringen häufig verwendet. Es ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs und bedeutet soviel wie "Sumpf", läßt also lediglich geographische Rückschlüsse zu. Siehe hierzu Johannes Hartenstein: Die Juden in der Geschichte Leipzigs von der Entstehung der Stadt an bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Berlin 1938, S. 72-87.

61 J(aques) Adler: Der Leipziger Brühl und die Weltwirtschaft, S. 49, in: Sachsen. Politik, Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft im Freistaat Sachsen, Leipzig 1931.

62 Max Freudenthal-Nürnberg: Juden als Messgäste in Leipzig, S. 23, in: Aus Geschichte und Leben der Juden in Leipzig, Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Leipziger Gemeindesynagoge, hrsg. vom Vor-stand der Israelitischen Kultusgemeinde, Leipzig 1930, S. 17-27; siehe auch Alphons Levy: Geschichte der Juden in Sachsen, Berlin 1900; Siegbert Neufeld: Die Juden im thüringisch-sächsischen Gebiet während des Mittelalters, Berlin 1917.

63 Walter Lange: Richard Wagners Sippe. Vom Urahn zum Enkel, Leipzig 1938, S. 82. Der Autor, langjähriger Kustos des Stadtgeschichtlichen Museums zu Leipzig, hat in dieser Arbeit, auch wenn sie "dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem Schutzherrn des Werkes von Bayreuth" gewidmet ist, die umfangreichste Faktensammlung familiengeschichtlicher Forschung über die Herkunft Richard Wagners zusammengetragen. Siehe auch Walter Lange: Richard Wagner und seine Vaterstadt Leipzig, Leipzig 1933; vgl. Werner Konstatin von Arnswald: Ahnentafel des Komponisten Richard Wagner, Leipzig 1930.

64 in der Bezeichnung Curt von Westernhagens: Richard Wagner, op. cit., S. 26; siehe auch Newman, Bd. 2, S. 613 ff.

65 Volker L. Sigismund: Ein unbehauster Prinz, Hamburg 1984.

66 Martin Gregor-Dellin: Neue Wagner-Ermittlungen, S. 149, in: Martin Gregor-Dellin: Was ist Größe? Sieben Deutsche und ein deutsches Problem, S. 141-175, München, Zürich 1985.