Richard Wagner. Eine europäische Biographie

Dieter David Scholz

 

 

Richard Wagner. Eine europäische Biographie

Parthas Verlag Berlin. 428 S., 2006

 

Buchtip von Karl-Dietrich Gräwe und Michael Stegemann in:

Klassikdiskothek, RBB 8.12.2006

Karl Dietrich Gräwe: "Mit Richard Wagner bekommen wir es jetzt schon zu tun, allerdings einer ungewohnten Seite von Richard Wagner. "

 

Michael Stegemann: "Ja oder einer nicht so oft zitierten Seite, nämlich der Tatsache, dass sich Wagner selbst den „wir“ spätestens seit 1933 doch sehr gerne als den deutschen Komponisten par excellence verstehen, manche tun das ja auch heute noch, dass dieser Richard Wagner nichts weniger war als ein bekennender Deutscher, oder Deutschtümler oder Nationalist, sondern dass er sich tatsächlich als ein europäischer Künstler verstand. „Richard Wagner. Eine europäische Biographie“ heisst das Buch von Dieter David Scholz. Es ist gut vierhundert Seiten dick und gerade beim Parthas Verlag erschienen. Und das ist, wenn man so will, eine Biographie, die zwar allen äußeren Gegebenheiten und Stationen genauestens folgt, aber aufgrund eines ganz gründlichen Quellenstudiums, alle Quellen sind belegt, es gibt hunderte von Anmerkungen, aufgrund dieses Quellenstudiums hat Dieter David Scholz ein anderes Wagnerbild zustande gebracht. Nämlich die Tatsache, dass Wagner Zeit seines Lebens als Künstler und Mensch danach strebte, europäisch universell zu sein, dass er sich in Frankreich, in Italien, in der Schweiz ebenso wohl, wenn nicht wohler fühlte als in Deutschland, und dass eben dieses europäisch geprägte Leben Richard Wagners auch nachdrückliche Spuren in seiner Musik und in seinem Denken hinterlassen hat. Und das ist, muß ich sagen, selbst wenn man alle anderen Wagnerbiographien kennt, doch ein Aspekt, den man wohl kaum woanders so wunderbar dargestellt findet wie in diesem Buch von Dieter David Scholz. Und Wagnerianer gibt es so viele, dass wir denken, dass wäre doch ein geeignetes Weihnachtsgeschenk für dieselben."

 

 

Sebastian Sternberg in: Orpheus 1/2 2007

„Richard Wagner – eine europäische Biographie“: Der Musikwissenschaftler Dieter David Scholz hat sie geschrieben, und der einigermaßen mit Leben und Werk des Komponisten vertraute Leser fragt sich, warum ein Autor erst jetzt auf diese eigentlich nahe liegende Idee kommt. Zunächst hat Scholz gerechnet und herausbekommen, dass Wagner den größten Teil seines Lebens jenseits deutscher Grenzen verbracht hat – wenngleich nicht immer freiwillig. Das ist der Ausgangspunkt einer spannenden Lebensbeschreibung, die sich aber nicht damit begnügt, die einzelnen Stationen akribisch aufzuzählen und auszuschmücken. Scholz sucht den europäischen Gedanken auch im Werk, das ebenfalls weitgehend im Ausland erdacht, inspiriert und konzipiert wurde. Seine Handlungen sind in Europa angesiedelt oder haben entsprechende tiefe Bezüge, denkt man nur an „Rienzi“, „Holländer“, „Lohengrin“, „Tristan“ oder „Parsifal“. Mit seiner Biographie bewahrt Scholz Richard Wagner auch – und das scheint mir ganz wichtig und ganz aktuell zu sein – vor dem falschen Zugriff. Er befreit den noch immer heiß umstrittenen Komponisten aus der nachwirkenden, unheilvollen Umklammerung durch die Nationalsozialisten. Neue derartige Vereinnahmungen scheinen künftig ausge-schlossen. Wagner, der Europäer! Diese zwingende Schlussfolgerung aus dem Studium der Lebensumstände ist vor dem Hintergrund der europäischen Entwicklung, die viele Menschen bewegt, sehr zeitgemäß. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und kann es wärmstens einer möglichst großen Gemeinde empfehlen, auch weil dieser Band so sorgfältig recherchiert ist und einen bemerkenswerten Apparat (darin vor allem auch sorgfältig ausgesuchte, seitenstimmige Fotos) hat. Ein wichtiges und notwendiges Buch zur Wagnerexegese."

 

Gaby Helbig in richard-wagner-web.de 07.08.2006

Es wurden bereits viele Wagner-Biographien veröffentlicht. Das weiß auch Dieter David Scholz. „Ich möchte mit dieser Biographie Denkanstöße zu einem sachlichen Umgang mit Richard Wagner geben. Es ist längst an der Zeit, das ‚deutsche Mißverständnis’ Richard Wagner, auch und gerade das biographische, zu korrigieren, denn bis heute beherrscht eine typisch ‚deutsche’ Perspektive die Wagnerbiographik,“ schreibt er im Vorwort zu seinem Buch. Und so stützt er seine Ausführungen weitgehend auf (fast) alle Quellen, Entlehnungen, Anregungen, Tagebücher etc. ab, - unterscheidet sich somit von zahlreichen anderen Lebens-beschreibungen. Scholz recherchierte unermüdlich – und entdeckte wiederum Seiten des Komponisten, die manchen noch neu sein dürften.