O Munaciello Neapel

Photos: DDS und privat


"O‘ Munaciello" oder
Der „kleine Mönch“ von Neapel


Neapel ist eine Wunder-Stadt, eine Stadt der Wunder, diese Altstadt mit ihren schier unzähligen Barockpalazzi, Schlössern, Jugendstilpassagen, Renaissance-Bauten und gotischen Kirchen. Von der Küche Neapels ganz zu schweigen.


Der Bauch der Altstadt ist eine Offenbarung der reichen Geschichte dieser letzten noch pulsierenden antiken Metropole am Mittelmeer.

Steinernes Symbol dieses Bauches ist die Nilstatue. Die Statue des Nilgottes ist eine altrömische, wahrscheinlich hellenistische Marmorstatue aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Sie befindet sich an der Piazzetta Nilo, am Anfang der Via Nilo, im gleichnamigen Viertel.


Mitten in der Altstadt, nicht weit vom Nil, befindet sich die Piazza del Gesù Nuovo mit der imposanten gleichnamigen Kirche, deren Fassade mit Diamantquadern bestückt ist. Das nur teilweise erhaltene Kloster samt Kirche Santa Chiara (ein ehemaliger Klarissenkonvent) ist um die Ecke.  Der mit kunstvollen Kacheln aus dem 17. Und 18. Jahrhundert verzierte Klostergarten ist, immerhin erhalten. Die Bomben den 2. Weltkriegs haben ansonsten ganze Arbeit geleitet.


Auch zur Capella Sansevero mit dem Christo Velato ist es nicht weit, einer sensationell realistischen Marmor-Skulptur des nackten, aufgebahrten toten Christus (in Lebensgröße unter einem transparenten Schleier liegend) des neapolitanischen Künstlers Giuseppe Sanmartino, die 1753 fertiggestellt wurde.


Während die Piazza Plebiscito der repräsentativste Platz in Neapel ist, darf die kleinere Piazza del Gesù Nuovo als der charakteristischste gelten. Ihr Highlight ist die Kirche Gesù Nuovo,


Beim Überqueren des Platzes sticht sofort der hohe Obelisco dell’Immacolata ins Auge, der 1747 aus der Spendensammlung eines Volkspredigers erbaut wurde.  Die Marienfigur auf der Spitze wird jedes Jahr am 8. Dezember (Immacolata, dem Fest ihrer Unbeflecktheit) von der Feuerwehr mit einem Blumenkranz geschmückt. Rund um die betreibsame Piazza liegen einige Restaurants und Bars, darunter auch das, wovon ich reden will.


Von der Piazza führt die Via Benedetto Croce vorbei an der gotischen Kirche Santa Chiara - mitten ins Labyrinth enger Altstadtgassen. Die Via Benedetto Croce gehört zu Spaccanapoli, eine Straßentrasse in Neapel. die das centro storico durchschneidet. Hier verbinden sich Kunst, Tradition, Geschichte und Kultur auf wunderbare Weise zu einem Kaleidoskop der Eindrücke und der Spuren der Geschichte Neapels.


Die antike Stadttrasse Spaccanapoli teilt die Altstadt mit einer fast geometrischen Genauigkeit in zwei Teile. „Spaccare" bedeutet „spalten“. Der Name Spaccanapoli wurde der Trasse, die seit den Zeiten der Griechen existiert und zum ehemaligen Hafen führte, von den Neapolitanern verliehen, in der Ortsnamenkunde gibt es ihn nicht.

Bei Stadttrasse handelt es sich übrigen nicht um eine einzige, sondern gleich um mehrere Straßen:

- Via Pasquale Scura

- Via Maddaloni

- Via Benedetto Croce 

- Via San Biagio dei Librai

- Via Vicaria Vecchia,

- Via Forcella

- Via Giudecca Vecchia (Forcella)

 

Direkt an der Piazza del Gesù liegt, mit herrlichem Blick auf die Jesuitenkirche und die davor platzierte Säule das Ristorante samt Pizzeria „O' Munaciello“  


Der Name geht auf neapolitanischen Aberglauben zurück: Munaciello ist der kleine Mönch - oder besser gesagt der Geist mit der Größe und des Aussehens eines kleinen Mönches, der bekannteste esoterische Stadtbewohner. Der Munaciello ist dafür bekannt, Gegenstände in Häusern und Wohnungen über Nacht verschwinden zu lassen. Fehlt plötzlich etwas, machen die Neapolitaner einfach den kleinen Mönch dafür verantwortlich. Manchmal lässt der sympathische Geist dafür Münzen auf dem Tisch liegen oder macht kleine Scherze. Ein schlecht gelaunter Munaciello kann aber auch Geschirr zerbrechen. 

Der Munaciello kommt übrigens -der Legende nach - aus den Höhlen unter der Stadt. Unter den Häusern von Neapel befindet sich ein weitläufiges System unterirdischer Höhlen (Napoli Sotterrana), in denen in vergangenen Jahrhunderten arme Familien und Waisenkinder gewohnt haben. Diesen Kindern gelang es manchmal, sich über unterirdische Höhlenverbindungen Zugang in die Wohnhäuser zu verschaffen und sich so mit Lebensmitteln oder anderen Gegenständen zu versorgen. In das unterirdische Neapel kann man übrigens nicht weit entfernt von der Piazza del Gesù Nuovo hinabsteigen, um es zu besichtigen.


Das lokal „O' Munaciello“ liegt, wie gesagt, an der Piazza del Gesù Nuovo, es ist ein ganz gewöhnliches Lokal, aber das Essen ist wohlschmeckend und üppig (klassisch, das ganze Repertoire neapolitanischer Spezialitäten: Pizza, Pasta, Fleisch und Fisch (Meerestiere) betreffend, auch Trippa - Kutteln und Baccalá - Stockfisch. Nicht jedermanns Sache.  Das Personal ist zuvorkommend. Die Preise sind sehr moderat, auch was die Weine angeht, man trinkt vornehmlich Vesuvweine: Greco di Tufo oder Lacrima Christi.


Was ich dort mit besonderer Vorliebe esse, ist eigentlich eine Vorspeise, die man aber nicht überall bekommt, obwohl sie typisch neapolitanisch ist: Frittierte Bällchen aus Kartoffel-, Reis und Hefeteig sowie frittiertes Gemüse (in Streifen geschnittene Auberginen und Zucchini, in einem leichten krossen Teigmantel). Ich finde das köstlich, ja unwiderstehlich.


Schon deshalb gehe ich immer in dieses Lokal.