Il Trittico in Rom

Dieter David Scholz

 

 

Container-Todes-Variationen in Rom

Photos: Yasuko Kageyama-Opera di Roma

 

 

Damiano Michielettos großartige Inszenierung von Puccinis "Il Trittico" an der Römischen Oper

 

Premiere 17. April 2016

 

Selten werden die drei Operneinakter, die Giacomo Puccini unter dem Titel „Il trittico“ zusam-mengefasst hat, an einem Abend aufgeführt, obwohl Puccini so sehr daran lag. Auch wenn die Stücke sehr unterschiedlich sind, verbindet sie doch das Thema Tod. In „Il tabarro“ erwürgt der Seine-Schiffer Michele am Ende den Liebhaber seiner jungen Frau, in „Suor Angelica“ begeht die Titelheldin, die als Ordensschwester vom Tod ihres unehelich geborenen Sohns erfährt, Selbstmord und in „Gianni Schicchi“ versammelt sich die Verwandtschaft schon wenn der Vorhang aufgeht um einen Leichnam in der Hoffnung auf eine große Erbschaft.

 

Damiano Michieletto ist seiner handwerklich fulminanten Inszenierung, eine Koproduktion mit Kopenhagen und dem Theater an der Wien, das Kunststück gelungen, ein Panorama mensch-licher Leidenschaften aus dem ernüchternden, infernalisch Danteschen Geist eines Container-bahnhofs heraus zu entwickeln. Paolo Fantin hat ihm eine spektakuläre Bühne gebaut. Mit „Il tabarro“ beginnt der Alptraum in einem Containerlager im Hafen, dann heben sich Contai-nerwände nach oben weg und zum Vorschein kommen ein großer Waschraum samt benach-barter Zelle Angelicas. Man hat eher den Eindruck, in einem Frauengefängnis, als in einem Kloster zu sein, die Nonnen gleichen Gefängnisinsassinnen. Überzeugende Idee der Regie, den Tod des unehelichen Sohnes Angelicas von der Tante Angelicas, der Fürstin nur vortäuschen zu lassen, um sie in den Tod zu treiben, was ihre Erbschaftsangelegenheiten vereinfacht. Am Ende darf der hereinstürmende Sohn seien tote Mutter umarmen. Ein so erschütternder wie intelli-genter Vorgriff auf den dritten Teil des Triptychons.

 

Nach der Pause hebt sich der Vorhang und zum Vorschein kommt die unter violetter Tapete und bourgeoisem Mobiliar geschickt verborgene Containerlandschaft als Kletterlandschaft für die aberwitzig grotesk und herrlich karikierte Erbschleichergesellschaft. Am Ende, nachdem Gianni Schicchi die Bombe seiner Erbbetrügerei platzen lässt, fallen die Tapeten herab und alles bürgerliche Interieur klappt weg, sodass der Vorhang wieder über dem trostlosen Containerbild des Beginns fallen kann. Ein Coup de théâtre! Zurecht heftiger Jubel des so erstaunlich wie erfreulich jungen Premierenpublikums.

 

Auch sängerisch ist die Aufführung nicht von schlechten Eltern. Herausragend Roberto Frontali als eindrucksvoll heldenbaritonaler Michele wie Gianni Schicchi, Patricia Raclette als hochexpressive Giorgetta und Suor Angelica, Violeta Urmana als furchteinflössende Principessa, um nur die wichtigsten Partie zu nennen. Ein durchweg überzeugendes, großes Ensemble, auch wenn manche Stimmen, wie beispielsweise die der durchaus schön singende Ekaterin Sadovnikova als Lauretta schlichtweg zu klein sind.

 

Der junge, elegant auftretende Maestro Daniele Rustoni hat mit viel Einfühlung dem Episo-dischen, Modernen der Musik dieses Triptychons, worin Puccini ja über veristische Milieu-schilderung und traditionelle Verwendung von Couleur lokale weit hinausgeht, Rechnung getragen. Er hält sich an die musikalische Dramaturgie, die der einer klassischen Sinfonie entspricht: Allegro appassionato (Il tabarro), Andante maestoso (Suor Angelica) und Scherzo (Gianni Schicchi). Am meisten wagt, am schärfsten konturiert, am kraftvollsten strukturiert Rustoni allerdings in „Gianni Schicchi“, es ist ja auch wohl das brillianteste und genialste der drei Stücke. In allen hat allerdings das Orchestra del Teatro dell´Opera di Roma spieltechnisch ohne Fehl und Tadel klangschön brilliert.

 

Alles in allem eine überaus erfreuliche, hochkarätige Produktion, die der krisengeschüttelten, aus der Beinahepleite wiederauferstandenen Römischen Oper alle Ehre macht.