Il Matrimonio Segreto Innsbrucker Festwochen 2016

Dieter David Scholz

 

 

Photo: Rupert Larl / Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

 

 

Quirlige Neuproduktion von Cimarosas „Il matrimonio segreto“ bei den neu aufgestellten Innsbrucker Festwochen der alten Musik

 

 

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiern in diesem Jahr ihr vierzigstes Jubiläum. Nachdem vor zwei Jahren infolge eines Finanzskandals und der Absetzung der Geschäfts-führung die Angst die vor dem Untergang dieses Festivals umging, ist es nun strukturell und personell neu aufgestellt. Unter dem Motto „Tragicommedia“ hält es ein breites Jubiläums-angebot an Veranstaltungen breit. Zum Auftakt hat der römische Dirigent Alessandro der Marchi, der seit 2010 als Nachfolger von René Jacobs das Festival leitet, eine der beliebtesten Opernkomödien ausgewählt, Domenico Cimarosas „Il Matrimonio Segreto“.

 

 

 

Die Erfolgsgeschichte dieses Werks reicht zurück bis zur Uraufführung vor Kaiser Leopold II. 1792 in Wien. Der Kaiser war so begeistert von dem Werk, dass er ein „Da capo“ befahl. Die Oper musste in ganzer Länge noch einmal wiederholt werden. Ein in der Operngeschichte einmaliger Fall. Bis heute ist Domenico Cimarosas Opera Buffa eines der beliebtesten Werke des 18. Jahrhunderts. Alessandro De Marchi hat das Stück aus mehreren Gründen in den Mittelpunkt seines Festivals gestellt: Mit ihm begann er als Korrepetitor mit Dirigierver-pflichtung an der Berliner Staatsoper seine Dirigentenkarriere, er wollte einmal seine beiden Lieblingsbuffobässe Renato Girolami und Donato di Stefano gemeinsam in einemStück erleben, und…

 

„der dritte große Grund ist, dass Il Matriomonio Segreto wahrscheinlich die schönste Opera Buffa überhaupt im 18. Jahrhundert ist. Sie ist eine der wenigen Opern dieser Zeit, die immer im Repertoire geblieben sind, aber es haben sich eine Menge von Schlampereien und Verkrustungen in die Aufführungstradition eingeschlichen. Das Stück wurde immer wieder vergewaltigt, indem gestrichen wurde, was zu schwierig zu singen ist, Wiederholungen wurden gestrichen, obwoohl sie eigentlich so wichtig sind, um die Verzierungskunst auszuüben.“ (De Marchi)

 

 

Mit seinem Originalklangensemble, der Accademia Montis Regalis sowie einem handver-lesenen Solistenensemble hat Alessandro De Marchi mit überschäumender Quirligkeit und aufführungspraktischer Akkuratesse das buffoneske Meisterwerk so komplett und so diffe-renziert, wie man es noch nie hörte, auf die Bühne des Innsbrucker Landestheaters gebracht. Das auf barocke Oper spezialisierte Inszenierungsteam Renaud Doucet und André Barbe bezieht sich in seiner launigen Produktion auf ein Zitat aus dem Libretto: „Macht kein solches Gegacker! Ihr führt euch auf wie im Hühnerstall“ . Das sagt die Schwester des alten Kaufmanns Geronimo, der die ältere seiner beiden zänkischen Töchter mit einem Grafen verheiraten will. Als große Gaudi schnurrt die witzige Buffa in einem Hühnerstall ab, der aussieht wie ein vergrößertes, schwarzweisses Papier-Ausschnittstheater des achtzehnten Jahrhunderts. Die sechs Sänger agieren in karikaturistisch überzeichneten, grellbunten Kostümen mit Geflügelanspie-lungen und überbieten sich an komödiantischem Klamauk und sängerischer Virtuosität.

 

 

Die Bühne des Innsbrucker Landestheaters ist die Hauptspielstätte der Festwochen der Alten Musik. Nach ihrer schweren Krise, in der Viele gar um die Zukunft des renommierten Festivals bangten, ist es nun mit dem Landestheater fusioniert worden. Geschäftsführer Markus Lutz:

 

„Die neue Struktur sieht so aus, dass wir eine Tochtergesellschaft geschaffen haben, also dass das Landestheater die Anteile von Stadt und Land bekommen hat, hundertprozentiger Gesellschafter ist, es den Festwochen aber eine eigene künstlerische Leitung gibt und eine eigene budgetäre Verantwortung mit einer Betriebsdirektorin.“

 

Die neue Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens ist mit der neuen Struktur des Festivals mehr als zufrieden.

 

„Man muss sagen, dass es besser nicht laufen kann, die Festwochen haben ein breites Standing in der Politik und auch in der Öffentlichkeit und wir haben die besten Möglichkeiten, um mindestens nochmal 40 Jahre dran zu hängen, wenn nicht sogar mehr. Wir sind im Moment bester Dinge, dass es genau das ist, dass es funktioniert und dass es das Beste ist, was uns passieren konnten. Wir haben den Anspruch, höchste Qualität zu liefern und dennoch uns auch einem Publikum zu öffnen, das vielleicht nicht auf den ersten Gedanken sich mit Alter Musik beschäftigen möchte.“

 

Auch der künstlerische Leiter Alessandro de Marchi sieht der Zukunft des Festivals optimistisch entgegen, er hat seinen Vertrag bis 2021 verlängert.

 

„Ich sehe allgemein eine große Zufriedenheit, und eine tolle Arbeitsatmosphäre. Ökonomisch und künstlerisch wir sind wirklich abgesichert. Und mein Büro, also mein Festwochenbüro fühlt gar keinen Einfluss von Staatstheater. Wir sind total unabhängig.“

 

Im vergangenen Jahr hatte das Festival eine Auslastung von 99 Prozent. Im laufenden Festi-valbetrieb liegen die Zahlen des Vorverkaufs sogar über denen des vergangenen Jahres, zumal das Jubiläumsprogramm mit vielen hochkarätigen Ensembles und Künstlern aufwartet. Um nur Einige zu nennen: René Jacobs kehrt mit einer konzertanten Aufführung der Gluck-Oper „Alceste“ von der Ruhr-Triennale nach Innsbruck zurück, aber auch Christoph Rousset ist mit seinem Ensemble „Les Talens Lyrique“ zu Gast, das italienische Originalklangensemble „Il Giardino Armonico“ ist dabei und Sänger wie Valer Sabadus oder Julian Prégarden sorgen für vokale Highlights. Am kommenden Wochenende wird die Reanimierung einer wiederaufge-fundenen Oper von Pietro Antonio Cesti mit Teilnehmern des Cesti-Gesangs-wettbewerbs für einen weiteren Höhepunkt dieses Festivals sorgen.

 

 

Beitrag auch für DLF Musikjournal 16.08.2016