Silvester

Silvester bekommt von Kaiser Konstantin die Papstkrone und einen Schimmel überreicht, 1246, Fresko im Silvester geweihten Oratorium an der Kirche Santi Quatri Coronati in Rom



Silvester. Jeder feiert ihn am letzten Tag das Jahres.

Aber wer war er eigentlich? 


Silvester wurde wohl noch vor Beginn der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian im Jahr 284 zum Priester geweiht. Vor den Verfolgungen - und der in Rom grassierenden Lepra - zog er sich dann zeitweise in eine Höhle am heutigen Monte Soratte - zurück; auf dessen Gipfel habe er eine Kirche errichtet an der Stelle eines zuvor dort für die Dis Pater, die Götter der Unterwelt Pluto und Orcus, stehenden heidnischen Heiligtums; daraus wuchs ein ihm geweihtes Kloster.


Sein Pontifikat erlangte vor allem deswegen Bedeutung, weil sich unter seiner Regentschaft im Römischen Reich die entscheidende Wende von einer christenfeindlichen hin zu einer christenfreundlichen Staatspolitik vollzog. 

Am 31. Januar 314 wurde Silvester zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Damit bestieg er den Stuhl Petri ein Jahr nach der als Konstantinische Wende bekannt gewordenen Mailänder Vereinbarung. Darin hatten Kaiser Konstantin der Große (306-337) und sein Mitkaiser Licinius nach Jahrhunderten der Verfolgung erstmals die Grundlagen für eine christenfreundliche Religionspolitik im Römischen Reich gelegt. Silvester profitierte von dieser Entwicklung. So konnte er während seines Pontifikats zahlreiche neue Kirchen in Rom und Umgebung errichten, darunter auf dem Vatikan auch den Vorgängerbau des heutigen Petersdoms.


Darüber hinaus jedoch war Silvesters Einfluss auf die Entwicklungen seiner Epoche eher gering. Silvesters heutiger Ruhm beruht vor allem auf Legenden. Erzählungen aus dem 5. Jahrhundert berichten etwa von Silvesters Standhaftigkeit während der Zeit der Christenverfolgungen. So habe er einen römischen Statthalter, der sich an den Verfolgungen beteiligt hatte, bei einem gemeinsamen Essen vor dem Erstickungstod gerettet und ihn anschließend zum Christentum bekehrt. Die Legenden erzählen auch von einem Streitgespräch, das Silvester mit zwölf jüdischen Rabbinern geführt habe, weil Helena ihren inzwischen getauften Sohn Konstantin zum Judentum bekehren wollte. Silvester obsiegte im Disput gegen elf der gelehrten Juden; der zwölfte, Zambri, tötete einen Stier durch die Nennung des Namens Gottes, den der Stier nicht ertragen konnte, um so die Kraft seines Glaubens zu beweisen. Silvester aber konnte mit Gottes Hilfe sogar den toten Stier zum Leben auferwecken, worauf auch Zambri wie die anderen Rabbiner und Helena sich sofort taufen ließen. Heidnische Priester bekehrte Silvester demnach, indem er einen Drachen bezwang.

 

Die bekannteste Legende ist diejenige aus dem Frühmittelalter, nach der Silvester den kranken römischen Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft haben soll. Zum Dank soll der Kaiser ihm das sogenannte Patrimonium Petri, die Grundlage für den späteren Kirchenstaat, geschenkt haben. In Wirklichkeit hatte Konstantin bereits 313 im Toleranzedikt von Mailand das Christentum offiziell erlaubt und Silvesters Vorgänger Miltiades das Gelände des heutigen Lateranpalastes übergeben lassen. Gestorben ist Papst Silvester am 31. Dezember 335. Nachdem er zunächst in den Priscilla-Katakomben begraben worden war, wurden seine Gebeine im 8. Jahrhundert in die römische Kirche San Silvestro in Capite überführt.


In katholischen Gegenden vor allem Bayerns finden noch heute an Silvester Umritte statt, auch Silvester- oder Sternsingen ist bis heute Brauch.  Ein opulentes Silvesteressen sollte früher sicherstellen, dass der Tisch auch im bevorstehenden Jahr stets reich gedeckt sein würde. Ein magischer Kreis um den Tisch sollte böse Geister abwehren. Auch Glockengeläut, Knallerei, Feuerwerk und Peitschenknallen sollte sie vertreiben, die in den Raunächten, besonders aber in der Nacht zum ersten Januar ihr Unwesen trieben. Durch vielerlei Orakel wollten die Menschen einen Blick in die Zukunft wagen, noch heute gehört das Bleigießen zu den gängigen Silvesterbräuchen


Aber wie heißt es schon beim Prediger Salomo im Alten Testament: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vor­haben unter dem Himmel hat seine Stunde“. Das gilt für die Musik wie für die Menschen und ihr kurzes, wertvolles, stets gefährdetes und begrenztes Leben. Jedes Jahr wird es am 31. Dezember um ein Jahr kürzer. Eben deshalb sollte man sich (ohne leichtsinnig und verantwortungsvergessen zu  sein) vielleicht am letzten Tag des Jahres mit oder ohne Champagner, besinnlich oder fröhlich das Motto der „Fleder­maus“  zu eigen ma­chen, das Johann Strauss in seiner gleichnamigen Operette zur Lebens-Maxime erhoben hat: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“…