Andreas Jacob Wagner

Wieder ein  überflüssiges und ärgerliches Wagner-Buch


Andreas Jacob: Wagner. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten

Klartext Verlag, 120 S, 2022

 


Eigentlich ist der Titel – mit Verlaub gesagt - purer Etikettenschwindel, Angesichts der überwältigenden Fülle an Wagnerliteratur fragt man sich, an wen sich dieses – schon jetzt sei´s gesagt - fragwürdige - Buch eigentlich richtet, denn alles, was darin thematisiert wird, erfuhr man längst in anderen Publikationen, und weitaus präziser. Jacob befleißigt sich der Kunst des Weglassens und der groben Vereinfachung sowie der ranschmeißerischen Sprache der Boulevardpresse. 


Ein Autor, der bereits ein Buch über „Beethoven für Klugscheisser“ geschrieben hat, bei einem Verlag, der Bücher mit ähnlicher Stoßrichtung über den Trabi, über „Haselnüsse für Aschenbrödel“, Heinrich Heine, Insekten, die Royals, Katzen oder Bergbau im Sortiment hat, ausgerechnet dieser Autor soll mit Korrekturen und Wahrheiten in Sachen Wager aufwarten? Skepsis ist angebracht. Die Lektüre betätigt sie.


Das Buch deckt mitnichten Irrtümer auf, es zementiert eher Banalitäten und Plattheiten, längst bekannte Tatsachen und belanglose „Wahrheiten“. Oder ist es etwa von Belang, zu wissen, dass Anders Joey DeMaio (Gründer der True-Metal-Band Manowar) Wagner als „Erfinder des „Heavy Metal“ bezeichnet? Muss man wissen, dass die Augsburger Puppenkiste Wagneraufführungen produzierte? Ist Wagners (bekannte) Hundeleidenschaft so bedeutsam, dass sie noch einmal in einem eigenen Kapitel breit behandelt werden muss?  721 Richard-Wagner-Plätze und -Straßen gebe es, zudem Wagner-Shirts, -Socken, -Tassen und -Whisky. Muss man das wissen?  Undifferenziert und geradezu verharmlosend sind die Äußerungen des Autors zum politischen Wagners, seinen Antisemitismus und über die Nazis. Das offenbart Schwarzweißdenken pur. Über die drei Ehemänner der von Wagner zunächst bewunderten, später abgelehnten Sängerdarstellerin Wilhelmine Schröder-Devrient erfährt man mehr als über Wagners ambivalentes Verhältnis zu ihr. Die Texte über den Anarchisten Bakunin und König Ludwig II. von Bayern (den wichtigsten Mäzen Wagners, dem Wagner allerdings „einen Sparren im Kopf“ attestierte) greifen entschieden zu kurz. Auch die Informationen über Franz Liszt als „der Schwiegervater“ Wagners sind völlig unzureichend und thematisieren nur diese eine Seite von Liszt. Besserwisserisch, aber einfältig sind die Texte über Wagners „Leitmotiv“ und über die richtige Aussprache Wagnerscher Worte. Von anderen Kapiteln ganz zu schweigen. Auch die Auslassungen über das Schaulaufen der VIPs bei den Bayreuther Festspielen, die „Promi-Parade“ sind alles andere als originell. Ein angefügtes Wagner-Quiz und eingestreute Wagnerzitate sind völlig überflüssig. Die plakativen Werkbeschreibungen sind simpel. Die Bebilderung ist populistisch.


Nicht anders als peinliche Entgleisung des Autor ist die Erörterung über Wagner und die Homosexuellen im Kapitel „Wagner statt Streisand“ zu bezeichnen. Er unterstellt ihnen,  „die Bayreuther Festspiele …wie die ganze Wagnerbewegung … als latent bis offen homosexuell geprägt“ zu empfinden. Andreas Jacob plädiert daher für Wagner als queere Musikvorliebe der Schwulen.


Fazit: Ein ärgerliches und banales Buch, das niemand braucht.



Beitrag auch in "Das Orchester" (Schott)