Musik-Theater & mehr

Der Kampf Michaels mit dem Drachen - Holzdruck von Albrecht Dürer 1496-1498
Tag des Erzengels Michael und aller Engel
In der katholischen Kirche wird am 29. September das gemeinsame Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael gefeiert. Ursprünglich war der Tag allein dem Erzengel Michael gewidmet. Nach der Liturgiereform wurden die zuvor getrennten Gedenktage der drei Erzengel zusammengeführt. Auch im evangelischen Kirchenjahr trägt der 29. September die Bezeichnung „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“. An diesem Tag gedenken die katholische, evangelische und anglikanische Kirche des Erzengels Michael sowie aller Engel (Gabriel und Rafael). Die Bezeichnungen Michaeli, Michaelis, Michaelitag und Michaelistag meinen denselben kirchlichen Gedenktag. Der Name Michael stammt aus dem Hebräischen (Mikha'el) und bedeutet „Wer ist wie Gott?“ Obwohl der Michaelstag heute im Alltag weniger präsent ist als Weihnachten, Ostern oder der Martinstag, besitzt er im Kirchenjahr doch eine besondere Botschaft. Er lenkt den Blick auf die Engel als Boten Gottes und lädt dazu ein, über Mut, Zuversicht, Demut und den Umgang mit dem Bösen nachzudenken.
Michael gilt in der biblischen Tradition als Anführer der himmlischen Heerscharen und Besieger des Teufels bzw. des Drachens. Das Fest feiert den Sieg des Guten über das Böse. Zudem liegt der Gedenktag nahe der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche. Historisch markierte er den Beginn der dunkleren Jahreshälfte und den Übergang zum Winter. Der Michaelstag aber auch ein kirchlicher Gedenktag, der für Mut, Schutz und das Vertrauen auf die Kraft des Guten steht.
In der christlichen Kunst wird Michael häufig als mächtiger Engel in einer Rüstung dargestellt. Er hält ein Schwert, eine Lanze oder einen Schild und besiegt einen Drachen. Auf manchen Darstellungen trägt er zusätzlich eine Waage. Diese verschiedenen Zeichen verdeutlichen seine Rolle als Kämpfer für das Gute, Beschützer und Begleiter der Menschen.
Obwohl er häufig „heiliger Michael“ genannt wird, war Michael kein Mensch, der nach seinem Tod heiliggesprochen wurde. Er ist nach christlicher Überzeugung ein Engel und damit ein geistiges Geschöpf Gottes. Die Anrede „heiliger Michael“ bringt seine besondere Nähe zu Gott und seine hervorgehobene Aufgabe zum Ausdruck.
Hinter dieser Darstellung verbirgt sich mehr als die Geschichte eines himmlischen Kämpfers. Michael erinnert daran, dass das Böse nicht das letzte Wort behält und dass wahre Stärke aus dem Vertrauen auf Gott entsteht. Niemand sei Gott gleich. Keine irdische Macht und kein Mensch dürfe sich selbst an Gottes Stelle setzen. Michaels Stärke kommt nicht aus ihm selbst. Als Engel handelt er im Auftrag Gottes. Auch die evangelische Tradition betont, dass Engel keine unabhängigen göttlichen Mächte sind. Sie werden durch den Auftrag Gottes zu seinen Boten und Dienern.
Der Erzengel Michael wird an mehreren Stellen der Bibel erwähnt. Eine wichtige Rolle spielt er zunächst im Buch Daniel. Dort erscheint er als einer der ersten unter den Engelfürsten und als Beschützer des Volkes Israel. Er kommt einem anderen Boten Gottes zu Hilfe und tritt für die Menschen ein. Im Judasbrief wird Michael ausdrücklich als Erzengel bezeichnet. Dort streitet er mit dem Teufel, überlässt das Urteil jedoch Gott. Auch diese Erzählung zeigt: Michael handelt nicht aus eigener Macht oder Selbstüberhebung, sondern vertraut auf Gottes Urteil. Am bekanntesten ist vermutlich die Darstellung in der Offenbarung des Johannes. Dort kämpfen Michael und seine Engel gegen einen Drachen. Der Drache steht für Satan und für die Mächte, die sich gegen Gott richten. Michael und seine Engel überwinden ihn. Diese biblische Erzählung prägt bis heute die bildliche Darstellung Michaels. Der Drache unter seinen Füßen ist kein beliebiges Fabelwesen. Er symbolisiert das Böse schlechthin, die Versuchung, Gewalt, Lüge und alles, was Menschen von Gott und voneinander trennt.
Michael erinnert daran, dass das Böse nicht stärker ist als Gott und dass es Situationen gibt, in denen Menschen Haltung zeigen müssen. Christlicher Mut bedeutet dabei nicht, keine Angst zu haben. Mut zeigt sich darin, trotz Unsicherheit das Richtige zu tun, anderen beizustehen, für Schwächere einzutreten und Ungerechtigkeit nicht einfach hinzunehmen.
Eine weitere wichtige Botschaft steckt im Namen Michael. Die Frage „Wer ist wie Gott?“ setzt menschlicher Selbstüberschätzung eine Grenze. Sie erinnert daran, dass Macht nicht missbraucht werden darf und dass kein Mensch vollkommen ist. Gerade darin liegt eine tröstliche Botschaft: Der Mensch muss nicht alles allein bewältigen und nicht aus eigener Kraft jedes Problem lösen. Der Michaelstag ermutigt dazu, entschlossen für das Gute einzutreten, ohne sich selbst über andere zu erheben.
Die Ursprünge des kirchlichen Erzengelfestes reichen bis in das fünfte Jahrhundert zurück. Der 29. September wurde zunächst als Gedenktag des Erzengels Michael begangen und stand mit der Weihe einer Michaelskirche in Rom in Verbindung. Die Verehrung der Engel war bereits im frühen Christentum verbreitet. Engel wurden als unsichtbare Boten verstanden, die Gottes Willen verkünden und seinen Auftrag ausführen. Michael nahm aufgrund seiner Rolle in den biblischen Schriften eine besonders bedeutende Stellung ein.
Der Streit im Himmel, der in der Offenbarung des Johannes (12, 7ff) beschrieben wird, ist die biblische Geschichte, die den Namen und die Funktion dieses Engels betont: „Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und er siegte nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahingeworfen.“
Diese wenigen Sätze beschreiben einen dramatischen Kampf, doch eigentlich beschreiben sie das Geheimnis dieses Erzengels und seines Namens: Sein Wille ist Gottes Wille. Er lebt, um Gottes Willen zu erfüllen, um Gottes Heiligkeit und Göttlichkeit zu demonstrieren. Seine Macht und sein Erfolg sind ihm von Gott verliehen, und er fordert nichts für sich selbst. Er muss nicht wie Gott sein, sondern lässt Gott durch sich wirken. Nach seinem Sieg ist er so schnell verschwunden, wie er gekommen ist.
Die Verehrung des Erzengels Michael lässt sich überall in Europa nachweisen. Die Anzahl der Kirchen, die seinen Namen tragen, ist europaweit beträchtlich. Der Überlieferung nach ist Michael schon in frühchristlicher Zeit in Europa erschienen. Im Jahre 490 n.Chr. erschien er auf dem Monte Gargano im Südosten Italiens und verkündete, er habe die dortige Höhle als sein Heiligtum erwählt und würde nun ihr Beschützer sein.
Aber schon in der Spätantike finden sich Michaelis-Kirchen in Konstantinopel und in Rom. Michael wurde der Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Synode von Mainz im Jahre 813 n.Chr. erklärte – nicht zuletzt durch Einflussnahme Kaiser Ludwigs des Frommen – den 29. September zum jährlichen Gedenktag an den Erzengel Michael. Historisch ist überliefert, dass an der Via Salaria bei Rom am 29. September 492 n.Chr. eine Michaeliskirche geweiht wurde. Dort wurde der Michaelistag schon bald nach der Weihe jährlich am 29. September begangen. Die Woche rund um dieses Datum war im heidnischen Germanien dem germanischen Gott Wotan geweiht gewesen und wurde durch die neue Festlegung gleichsam „getauft“. Die Entscheidung der Mainzer Synode hat eine doppelte Botschaft: Die heidnischen Götter sind machtlos – sogar die Engel des wahren und einzigen Gottes sind stärker als Wotan und seine Krieger. Hinzu kommt der Aufruf, die Dunkelheit nicht zu fürchten, die von der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst (kurz vor dem Michaelistag) bis zur Wintersonnenwende täglich zunimmt. Das hat mit der theologischen Botschaft zu tun, dass mit der Geburt Jesu Christi das göttliche Licht im Dunkel dieser Welt aufgestrahlt ist, das zwar am Karfreitag durch den Tod besiegt schien, aber am Ostermorgen umso heller aufstrahlte.
Der Erzengel Michael hat auch in der Missionsgeschichte Europas eine wichtige Rolle gespielt. Eine Vielzahl von Legenden erzählt, wie er Bischöfe und Priester, Äbte und Könige angeleitet hätte, heidnische Heiligtümer in christliche Kirche zu wandeln. Michaeliskirchen und –kapellen liegen oft erhöht auf Hügeln oder Bergen, um Wehrtürmen ähnlich wie ein Warnzeichen gegen alle zu wirken, die versuchen, Gottes erwähltes Volk anzugreifen. Von den oft weithin sichtbaren Michaels-Statuen gar nicht zu reden.
Die lange Tradition der Verehrung des Erzengels Michael wurzelt im biblischen Zeugnis. Wenn er dort als Kämpfer für Gott beschrieben ist, ist er ein Kämpfer für das Leben, für Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit – alles Attribute Gottes. In der Frühzeit der Michaels-Verehrung wurde das biblische Zeugnis des Kampfes gegen die Schlange, den Drachen oder Satan auch auf die Heilung der Kranken bezogen sowie als Hilfe für die Verstorbenen verstanden, das Himmelreich zu erlangen. Es gibt Legenden, die berichten, Michael habe Heilkräuter wachsen lassen, die allen Kranken Gesundheit schenkten, die darin badeten. Michael ist auch bekannt als der Seelenwäger, der die Seelen der Verstorbenen in die Waagschale legt, um alles Gute im Leben eines Menschen zu finden und zu wiegen, um es im Jüngsten Gericht vor Gott zu bringen.
Es haben sich im Laufe der Geschichte verschiedene Michaelistags-Bräuche entwickelt. Das Datum Ende September fiel früher mit einem wichtigen Abschnitt des bäuerlichen Jahres zusammen. Die Ernte war in vielen Regionen weitgehend abgeschlossen, Vorräte waren eingelagert und die Arbeit verlagerte sich zunehmend in das Haus. Das Vieh wurde von den Almen abgetrieben.
Zu den unmittelbar kirchlichen Traditionen gehören Gottesdienste, Gebete und Andachten zu Ehren der Engel. Im Mittelpunkt stehen häufig biblische Texte über Michael, Predigten über den Sieg des Guten und die Frage, wie Menschen im Alltag mutig und verantwortungsvoll handeln können.
Weil der Michaelstag vielerorts mit dem Ende der Erntezeit verbunden war, wurde er mit gemeinsamen Mahlzeiten gefeiert. In einigen Regionen kam eine Michaelisgans auf den Tisch. Sie symbolisierte Dankbarkeit für die Ernte und half, Vorräte zu ordnen: ältere Tiere wurden verzehrt, jüngere geschont. Familien kamen zusammen, erzählten Geschichten und stärkten so ihre Gemeinschaft. Auch Enten, Hasen oder andere festliche Speisen wurden serviert. Die Mahlzeit war aber nicht nur ein Festessen. Sie brachte die Menschen zusammen und drückte Dankbarkeit für die Ernte, die geleistete Arbeit und die Versorgung während des kommenden Winters aus. Ein besonders anschaulicher Brauch war der sogenannte Lichtbratl oder der Lichtbraten. Ende September werden die Tage merklich kürzer. Früher bedeutete dies, dass Handwerker, Mägde, Knechte und andere Beschäftigte einen wachsenden Teil ihrer Arbeit wieder bei Kerzen- oder Lampenlicht verrichten mussten. Zum Beginn dieser „Lichtarbeit“ lud der Meister, Bauer oder Hausherr seine Mitarbeitenden zu einem gemeinsamen Essen ein. Der Lichtbratl markierte damit den Übergang von der hellen zur dunkleren Jahreshälfte.
In manchen Gegenden wurden am Michaelstag besondere Brote oder Wecken gebacken. Weißbrot war für viele Menschen früher etwas Besonderes, weil im Alltag häufiger dunkles Roggenbrot gegessen wurde. Ein Michaeliwecken konnte deshalb beinahe wie ein Festgebäck wirken. Daneben gab es sogenannte Seelenbrote. Sie wurden im Gedenken an Verstorbene gestiftet oder an arme Menschen weitergegeben. Dieser Brauch verband die Erinnerung an die Verstorbenen mit tätiger Nächstenliebe.
Für die Zuversichtlichen unter den Christen lädt der 29. September dazu ein, die eigenen Ängste wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen. Er erinnert daran, dass Menschen nicht jede Herausforderung allein bewältigen müssen und er schenkt die Hoffnung, dass selbst dort, wo Dunkelheit und Unrecht übermächtig erscheinen, Veränderung möglich bleibt. Er erinnert an die Kraft des Guten.
Es gab unzählige Bräuche am Michaelistag im Mittelalter. Wenn sich die Blätter färben, die Felder abgeerntet sind und die Tage kürzer werden, dann rückt ein Datum in den Mittelpunkt des mittelalterlichen Kalenders: der 29. September, der Michaelistag. Für die Menschen im Mittelalter war dieser Tag weit mehr als nur ein kirchliches Fest. Er war ein Wendepunkt im Jahreslauf, ein Termin, der Arbeit, Glauben und Gemeinschaft miteinander verband. Michaelis war der Tag, an dem Bauern ihre Abgaben leisteten, Knechte und Mägde oft den Hof wechselten, Händler auf Michaelismärkten ihre Waren anboten und die Kirche den Erzengel Michael als himmlischen Kämpfer ehrte. Zwischen Ernte, Andacht und Alltag spiegelte dieser Tag die enge Verzahnung von Religion und praktischer Lebensorganisation im Mittelalter wider.
Für die Landbevölkerung bedeutete Michaelis den Abschluss der Ernte. Korn war gedroschen, Wein gekeltert, Obst und Gemüse eingelagert. Nun musste man prüfen, ob die Vorräte den Winter überreichen würden. Fehler bei der Vorratshaltung konnten fatale Folgen haben, denn ein harter Winter ohne genug Lebensmittel bedeutete Hunger und Krankheit. Gleichzeitig war es die Zeit, Abgaben an Grundherren oder Klöster zu leisten. Bauern brachten Naturalien wie Getreide, Honig, Eier oder Vieh. Michaelis war dadurch ein fester Termin im wirtschaftlichen Kalender.
Michaelis bedeutete auch Neuanfang. Arbeitsverträge wurden erneuert, Knechte und Mägde entschieden, ob sie auf ihrem Hof blieben oder weiterzogen. Manchmal begleiteten kleine Feste oder Verhandlungen diesen Wechsel. Der Michaelistag war so etwas wie das „Silvester der Bauern“ – man blickte zurück, zog Bilanz und plante den kommenden Winter.
Der Erzengel Michael spielte im Mittelalter eine herausragende Rolle im religiösen und kulturellen Leben. In der Bibel wird er als siegreicher Kämpfer gegen den Drachen dargestellt, ein Bild für den Triumph des Guten über das Böse. In der alltäglichen Praxis war Michael jedoch weit mehr als eine religiöse Figur. Bauern beteten zu ihm, um ihre Felder vor Unwettern, Schädlingen und Krankheiten zu schützen, während Ritter ihn als Patron für Mut, Tapferkeit und Schutz in Schlachten verehrten. Mönche und Klosterbewohner sahen in ihm den Wächter ihrer geistlichen Räume, der die Klöster vor bösen Mächten und Unglück bewahrte.
Historische Berichte zeigen, dass Ritter Reliquien des Erzengels Michael mit in den Kampf führten. Kleine Statuen, Abzeichen oder Medaillen wurden in den Schlachten getragen, um göttliche Hilfe und Schutz zu erbitten. Michael war natürlich Schutzpatron. Bauern baten ihn um Schutz für Felder, Tiere und Vorräte. Ritter verehrten ihn als Patron für Mut und Tapferkeit in Schlachten. Reliquien oder kleine Abzeichen mit Michaelsbildnis begleiteten sie in den Kampf. Mönche sahen in ihm den Wächter über ihre Klöster und Kirchen.
Die Michaels-Verehrung ging weit über das rein Kirchliche hinaus: In Geschichten und Liedern wurde Michael zum Seelenrichter, der nach dem Tod über das Schicksal entschied. Damit verband sich Hoffnung auf Gerechtigkeit mit der Angst vor Strafe.
Die Verehrung Michaels zeigte sich auch in der Architektur. Der Mont-Saint-Michel in Frankreich, auf einer felsigen Insel im Meer, ist wohl das bekannteste Beispiel. Pilger kamen von weit her, um dort den Erzengel zu ehren. Auch die Michaeliskirche in Hildesheim, ein Meisterwerk ottonischer Baukunst, zeigt, wie zentral Michael im Glaubensleben war.
Man feierte Festmessen mit Weihrauch, Chorgesang und Predigten, die Michaels Tugenden betonten. Auch gab es Prozessionen: Reliquien und Bilder wurden durch die Straßen getragen, begleitet von Kerzen und Gebeten. Kirchweihen waren an der Tagesordnung: Viele Kapellen und Kirchen wurden an diesem Tag geweiht, was Michaels Rolle als Beschützer unterstrich.
Auch kleine Theater-Aufführungen stellten den Kampf Michaels gegen den Drachen dar, frühe Formen des Volkstheaters, die belehrten und unterhielten. Menschen beteten gemeinsam, feierten aber auch miteinander – ein wichtiges Mittel, um soziale Bindungen zu stärken. Schliesslich haben sich die Komponisten dem Erzengels Michael immer wieder zugewandt, nicht zuletzt J.S. Bach in seiner Michaelskantate BWV 130.
Der 29. September war zudem ein fester Zahltag. Abgaben wurden in Form von Naturalien entrichtet: Getreide, Wein, Käse, Eier oder Vieh. Auch Pachtverträge liefen oft an diesem Termin aus. Ohne solche Stichtage wäre das komplexe Geflecht aus Grundherren, Bauern und Klöstern schwer zu organisieren gewesen.
Für Knechte, Mägde und Tagelöhner war Michaelis ein Wechselpunkt. Wer unzufrieden war, konnte den Hof verlassen und anderswo Arbeit suchen. Löhne wurden neu verhandelt, Verpflichtungen erneuert. Michaelis brachte damit eine gewisse Ordnung und Planbarkeit in das Arbeitsleben.
In vielen Städten entwickelten sich Michaelismärkte zu regelrechten Höhepunkten. Frankfurt, Hamburg, Nürnberg oder Lübeck waren bekannte Orte, an denen Händler aus ganz Europa zusammenkamen. Man verkaufte Ernteüberschüsse oder exotische Waren aus Italien oder Flandern, Gaukler sorgten für Unterhaltung, es gab Gelegenheit zum Austausch von Nachrichten. Michaelismärkte waren also soziale Knotenpunkte.
Michaelis liegt kurz nach der Herbst-Tagundnachtgleiche. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Für die Menschen bedeutet das den Eintritt in die dunkle Jahreszeit. Der Herbst ist gekommen. Michael wird dabei zum Symbol des Lichts, das gegen die Dunkelheit kämpft. Dieses Bild war tief in den Köpfen verankert: wie die Sonne das Dunkel vertreibt, so vertreibt Michael das Böse, glaubte man. Auf dem Land war Michaelis war ein „Ernte-Silvester“. Bauern prüften ihre Vorräte, leisteten Abgaben, regelten Arbeitsverhältnisse. Es war ein Moment der Rückschau und der Vorbereitung. In der Stadt stand der Handel im Mittelpunkt. Märkte zogen Händler, Handwerker und Besucher an. Sie waren Orte des Austauschs – ökonomisch, aber auch sozial und kulturell.
Obwohl überall Michael gefeiert wurde, hatten die Bräuche deren einige bis heute überlebt haben, regional unterschiedliche Ausprägungen. In Deutschland dominierten Märkte, Schutzrituale und das Verspeisen der Michaelisgans. In Frankreich gab es Pilgerfahrten zum Mont-Saint-Michel. In England feierte man Kirchen- und Lichterfeste. In Italien zelebrierte man Prozessionen, Schutzrituale für Felder. In Skandinavien herrschten Lichter- und Feuerfeste als Schutz gegen die Winterdunkelheit vor. In Osteuropa gab es oftmals Segnung von Vorräten und Schutzrituale für Haus und Hof.
Fazit: Der Michaelstag ist ein vielseitiges Fest. Der Michaelistag war im Mittelalter ein Tag, der Religion, Wirtschaft und Kultur miteinander verband. Er strukturierte das Jahr, stärkte die Gemeinschaft und gab den Menschen Halt. Michaelis ist das Paradebeispiel dafür, wie eng Himmel und Erde, Glaube und Alltag im Mittelalter verwoben waren. Bis heute verdient der Tag Aufmerksamkeit, denn er nichts von seiner Faszination verloren .