Manfred Eger: Alle 5000 Jahre glückt es

Dieter David Scholz

 

 

Beispielhafte Dokumentation

Manfred Eger: „Alle 5000 Jahre glückt es“

Hans Schneider Verlag, Tutzing 160 S., 28,00 Euro

Wenige Stunden vor seinem Tod hat Richard Wagner seiner Gattin Cosima eines der über­schwänglichsten Komplimente gemacht: „Alle 5000 Jahre glückt es“. Seit Veröffentlichung der Cosima-Tagbücher 1976 hat dieses Wagnerwort die Runde gemacht und für allerhand Verklärungen dieser zweifellos außergewöhnlichen Ehe gesorgt. Vier Tage bevor Wagner das Kompliment aussprach, das Cosima am 12. Februar 1883 in ihrem Tagebuch notierte, schenkte ihr Wag­ner ein Notenblatt mit einer As-Dur-Elegie von geheimnisvoller, viel­sagender Be­deutung, eine 13-taktige Komposition, mit der er seine einstige Liebe zu Mathilde Wagner kurz vor seinem Tod „gleichsam ad acta und Cosima zu Füßen legte“. Ein intimes Dokument, das Manfred Eger verdienstvoll in seine Dokumentation integriert

 

Wäre der Briefwechsel zwischen Wagner und Cosima erhalten, ließe sich die so oft fasch dargestellte Beziehung zwischen Wagner und Cosima genauer bestimmen. Doch Cosima selbst hat ihre gesamte umfangreiche Korrespondenz mit Richard dem Feuer übergeben lassen. Vollstreckerin war Tochter Eva. Zurecht schreibt Manfred Eger in seinem Buch, das auf früheren, längst vergriffenen Publikationen basiert, die Geschichte „dieses Autodafés grenzt ans Kriminalistische“.

 

Immerhin, Eva Wagner war erfreulicherweise so unfolgsam, dass 17 Briefe ihres Vaters und drei weitere ihrer Mutter der Vernichtung entgangen sind. Und sie fertigte insgeheim Auszüge aus Briefen an. Alle erhaltenen Dokumente hat Manfred Eger – gemeinsam mit er As-Dur-Elegie, die Eva dem Dirigenten Arturo Toscanini 1931 geschenkt hatte, die nach dessen Tod für verschollen galt, aber 1991 bei Sothebys in London auftauchte und schließlich ins Bayreuther Wahnfried-Archiv zurückkehren konnte, mustergültig kommentiert und gebündelt zu einer Art komprimierter Beziehungsgeschichte Wagner-Cosima. Ein Buch, das viele Missverständnisse korrigiert und Vorurteile Lügen straft. Beispielsweise erfährt man deutlicher denn je, das Hans von Bülow, der Liszt seine Karriere als Pianist und Dirigent zu verdanken hatte, Cosima nur heiratete, um seinem Mentor einen Gefallen zu tun und dessen Tochter standesgemäß unter die Haube zu bringen. Man erfährt aber auch, dass es wohl eher Cosima war, die Wagner verführte und dadurch Bülows Leben zerstörte. Eger macht deutlich, wie sich Wagners Verhältnis zu Cosima nach und nach gewandelt hat vom Verführten, Betroffenen, Beunruhigten zum - wie auch immer - Liebenden. „Sein ganzes Leben ist ein Hieb über die Schnur“ schrieb der Komponist und Wagnerfreund Peter Cornelius am 28.10.1862 an seine Schwester Susanne. Cosima hat beinahe übermenschlich (dienend, unterwürfig, geradezu nönnisch) dafür gesorgt, dass diese Schnur nicht allzu früh riß. Dafür war Wagner ihr dankbar. Und man ist dankbar für dieses Buch von Manfred Eger.

 

 

Beitrag in: "Das Orchester" - SCHOTT

 

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