Kampf um Bayreuth 2008

Dieter David Scholz

 

 

Photo: Bayreuther Festspiele GmbH / Enrico Nawrath

Beitrag in der Deutschen Welle, 2.09.2008

 

Wagners Erben:

Der Kampf um die Bayreuther Festspiele

Die Entscheidung des Stiftungsrates nach seiner Sitzung am 1. September 2008

 

 

Der Kampf ums Bayreuther Festspielhaus, um die Nachfolge des greisen Wolfgang Wagner als Festspielleiter währte lang. Nun steht es fest: Die beiden Töchter aus zwei Ehen Wolfgangs, die 30 jährige Katharina Wagner und ihre 63-jährige Halbschwester Eva Wagner-Pasquier übernehmen die Leitung der traditionsreichen Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele. Sie wurden gestern nachmittag einstimmig vom Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele gewählt. Und haben sich gegen die Bewerbung von Cousine Nike, die mit dem renommierten belgischen Operninten-danten Gérard Mortier antrat, durchgesetzt. Zwar betonte der Vorsitzende und Sprecher des Stiftungsrates, Toni Schmid, beide Bewerberduos wären «absolut» in der Lage gewesen, die Geschicke des weltberühmten Opernfestivals zu leiten. Doch man habe sich entschieden, Jemanden zu wählen, der das ganze Jahr in Bayreuth ansprechbar sei. Das richtete sich gegen Mortier, der ab 2009 einen Vertrag als Intendant der New York City Opera in der Tasche hat. Und die Altersfrage sei entscheidend gewesen, zumal man über das Jahr 2015 hinaus plane, bis dahin hat Wolfgang Wagner bereits das Programm festgezurrt. Toni Schmid:

"Sie müsse sich vorstellen, wir planen ja über das Jahr 2015 hinaus, da war das natürlich die Kombination, die sich anbietet. Katharina hätte noch sieben Jahre Zeit, an ihren Erfahrungen zu arbeiten und zu lernen, und es wird die Kontinuität in diesem Falle besonders sichtbar."

 

Man hat also gegenüber Wolfgang Wagner Wort gehalten, der wohl nur für den Fall einer solchen, ihm genehmen Nachfolgeregelung seine Bereitschaft zum Rücktritt angeboten hat. Und man hat sich für Kontinuität und dynastische Fortführung der Festspiele entschieden. Ein radikaler Neuanfang und ein Kurswechsel wird nicht gewünscht in Bayreuth.

 

Was ist nun zu erwarten von dem neuen Führungsduo? Die erstaunlich wortkarge Katharina Wagner äußerte zunächst einmal Gefühle der Erleichterung:

 

"Ich bin vor allem froh, dass die Querelen um die Fetspielleitung aufgehört haben, das ist auch wichtig für die Mitarbeiter, das ist das A und O für die Mitarbeiter, dass die wieder Ruhe haben."

 

Während Katharina Wagner ihre fragwürdigen Zauberworte von „Public Viewing“, „Kinderopern“ und einem neuem Image der Festspiele in den Raum warf, ergriff die in der Vergangenheit eher zurückhaltende Eva Wagner das Wort und betonte, sie wolle vor allem den legendären Bayreuther Geist wieder beleben und…

"…die künstlerische Qualität wieder dahin zu bringen, wo sie einmal war. "

 

Auch was die Aufgabenteilung der beiden Halbschwestern angeht, zeigte sich Eva Wagner-Pasquier als die resolutere und teilte mit, dass sich Katharina Wagner künftig verstärkt um die Presse- und um Öffentlichkeitsarbeit der Festspiele kümmern werde, während sie selbst für die Besetzungen und die künstlerischen Belange zuständig sei. Auch wenn sie immer wieder betonte, dass man alles gemeinsam entscheide, wurde doch auf der Pressekonferenz nach der Stiftungsrats-sitzung unüberhörbar deutlich, wer künftig in Bayreuth das Sagen haben wird.

 

Verwunderlich ist das nicht, denn schon 2001 hat der Stiftungsrat sich ja für Eva Wagner entschieden. Katharina Wagner hatte nur eine Chance gemeinsam mit Eva. Mit diesem Kompromiss hat der Stiftungsrat Wolfgang Wagners Rücktritt ausge-handelt und eine zuletzt quälende 57-jährige Ära beendet. Eine neue Zeit bricht an in Bayreuth. Das neue Bayreuther Führungsduo wird ganz sicher in Zukunft für Spannungen und Überraschungen sorgen, denn es ist nicht schwesterliche Liebe oder Übereinstimmung der künstlerischen Auffassungen, die die beiden neuen Herrinnen von Bayreuth verbindet.

 

Aber nach Richard Wagners Tod ging es in Bayreuth immer nur um Macht und Machterhalt der Wagnerfamilie. Wie auch immer die Zukunft Bayreutsh aussehen wird: Das Musiktheater Richard Wagners wird das Familien-Theater seiner Urenkel in jedem Fall überstehen!