Leipzig Restaurant Stadtpfeiffer *

Dieter David Scholz

 

 

Photos: Stadtpfeiffer

Für mich Leipzigs Nummer Eins: Der Stadtpfeiffer

 

Augustusplatz 8 (Neues Gewandhaus). Tel.: 0341 - 217 89 20. Internet: www.stadtpfeiffer.de

 

Der Name "Stadtpfeiffer" läßt an Butzenscheiben denken und an die Gemütlichkeit "gehobener bürgerlicher Küche", an das eben, was zu DDR-Zeiten das alte Restaurant gleichen Namens am selben Ort auszeichnete.

 

Nichts davon im heutigen "Stadtpfeiffer"! Alle bieder gediegene Behaglichkeit im imitierten Butzenscheibenambiente ist aus dem Restaurant verschwunden. Mit Stil, Geschmack und Konsequenz haben Petra und Detlev Schlegel das Restaurant zur gastronomischen und kulinarischen Nummer Eins in Leipzig gemacht. Ohne jedes Wenn und Aber. Der Erste Stern, den Michelin nach der Wende in der Stadt an der Pleisse vergab.

 

Schon die Location besticht durch Schlichtheit und schnörkellose Konzentration aufs Wesentliche. Ein weißer Raum, wenige Tische, weiße Tischwäsche, schlichtes Tafelsilber, Designerstühle und milchig transparente Flächen vor Glaswänden, die den Blick in den tristen Betonunterbau des Neuen Gewandhauses geschickt abmildern, in dem sich das Restaurant befindet. Beste, zentrale Lage mitten im Zentrum Leipzigs. Wenige unkonkrete Glasmalereien mit Meerestierassoziationen setzen einige willkommene Farbakzente. Das moderne Interieur und die klare, helle, Atmosphäre entsprechen ganz der Küche Detlef Schlegels.

 

Er setzt auf frische Zutaten, strengen Purismus der Aromen und Kombinationen. Keinerlei exotische Geschmacks-explosionen oder Aromenüberäufungen erwarten und überreizen Einen. Er läßt es deswegen mitnichten an Geschmacksphantasie mangeln. Im Gegenteil! Er weiß Eigengeschmack, Gewürze und Aromen intelligent und kreativ zu vereinen und zu steigern. Sein Fenchel-Safran-Fond, auf den er perfekt gebratene Jacobsmuscheln setzt, ist eine schaumige Gaumenfreude von verführerischer Sinnlichkeit. Auch das Selleriepüree, das er zu gebratenem Wolfsbarsch und Pata-Negra-Schinken reicht, ist eine geschmacksintensive Köstlichkeit. Von besonderer Delikatesse ist sein Hummer auf abgezogenem, rotem Paprika al dente. Auch das eine ästhetisch, nicht nur geschmacklich so phantasieolle wie vorzügliche Kombination. Eine besondere Gourmandise ist sein roh marinierter, papierdünn geschnittener Stör mit einem Hauch von Lemonen zu Imperial Kaviar. Und wenn einem dann noch, wie mir widerfuhr, die Überraschung zuteil wird, als Kostproben der Küche vorab frische Papillon Austern, zwischendurch irischen Lachs bzw. Lachstartar und schließlich Limetten-Champagner-Sorbet gereicht zu bekommen, ist die Freude übergroß.

 

Zumal auch die klug auf Frankreich, Italien und Deutschland beschränkte Weinkarte mit Bestem, Interessantem und Ausgefallenem aufwartet. Zu Preisen, die nicht überzogen sind. Was übrigens auch für die Menüs gilt. Auch à la carte läßt sich zu moderaten Preisen wohlfeil speisen. Natürlich s sind es, zumal in Leipzig, riskante Spitzenpreise, aber sie sind dem vom Guide Michelin zurecht mit einem Stern (dem ersten und einzigen in Leipzig) ausgezeichneten Niveau der Küche mit ihrer erstklassigen Zutatengüte, der exzellenten Zubereitung und der effektvollen, aber nie übertreibenen Darbietung auf dem Teller angemessen. Ein preiswertes Angebot an alle Konzertbesucher des Gewandhauses ist das dreigängige Menü "Vor dem Konzert".

 

6 Gänge Menü 118 €

5 Gänge Menü 108 €

4 Gänge Menü 98 €

Auftakt-Menü ( servieren wir zwischen 18.00 und 19.00 Uhr ) 42 €.

 

 

Nicht zu vergessen der von der charmanten Petra Schlegel geleitete vorbildliche Service. Selten erlebt man in der Gastronomie des östlichen Deutschlands soviel unaufdringliche Freundlichkeit, perfekte Umgangsformen, kompetente Bedienung und diskrete Aufmerksamkeit bei gleichzeitig auf´s Wohl der Gäste bedachter Zurückhaltung. Ein konkurrenzloses Restaurant in Leipzig und weit über Leipzig hinaus.

 

 

 

Beitrag in MDR, Figaro 2004