Lexikon der Gesangsstimme

Dieter David Scholz

 

 

 

Ein konkurrenzloses Nachschlagewerk

„Lexikon der Gesangsstimme“

Geschichte – Wissenschaftliche Grundlagen – Gesangstechniken – Interpreten

Ann-Christine Mecke / Martin Pfleiderer / Bernhard Richter / Thomas Seedorf (Hrsg.)

Mit einem Geleitwort von Thomas Hampson

800 Seiten mit 174, z.T. farbigen Abb. und 24 Notenbeispielen. Leinen mit Schutzumschlag. € 98,– (Subskriptionspreis bis 31.3.2017; danach ca. € 118,–) ISBN 978–3–89007–546–4

 

Singen ist das älteste Instrument der Welt. Schon in vorantiker Zeit wurde gesungen. Aber erst in der Neuzeit begann man damit, den „Singapparat“ des Menschen (anatomisch) zu verstehen. Singen wurde als Technik und Kunst begriffen. Im Laaber Verlag ist nun ein 800 seitiges Nachschlagewerk erschienen, in dem geschrieben steht, was wir heute über das Singen wissen.

 

 

 

Thomas Hampson ist einer der international führenden Opern- und Konzertsänger der Gegenwart. Er hat eine der kultiviertesten Gesangsstimmen. „Kann etwas faszinierender sein als die menschliche Stimme“? Fragt der Bariton schon im ersten Satz seines Geleitwortes des „Lexikons der Gesangsstimme“. Es ist ein fast zweieinhalb Kilo schwerer Wälzer, der mit enzyklopädischem Anspruch über das älteste Musikinstrument der Menschheitsgeschichte informiert: die menschliche Stimme. Die Anatomie der (Gesangs-)Stimme und die Stimm-bildung werden dabei ebenso ausführlich behandelt wie die unterschiedlichen Stimmtypen und Gesangstechniken. - »Singen ist eine edle Kunst und Übung« stellte bereits Martin Luther in seinen Tischreden fest. Es geht in dem 800-seitigen Kompendium tatsächlich um Übungen als Mittel der Gesangsausbildung, aber auch um Sängergesundheit und um konkrete Sänger¬, die die Geschichte des Singens geprägt haben.

 

 

Ob Maria Callas, der Kastrat Farinelli, Die Rossini-Diva Maria Malibran oder Enrico Caruso, viel erfährt man in dem von vier renommierten Musikwissenschaftlern und Sängermedizinern herausgegebenen Lexikon über die bedeutendsten Sänger der neuern Geschichte des Singens, ob in Oper, Lied oder Konzert. Das Buch versteht sich als breit angelegte Geschichte des abendländischen Kunstgesangs. Sänger, Pädagogen und andere Persönlichkeiten, die für die Gesangslehre und -interpretation von Bedeutung sind werden ausführlich dargestellt. Aber auch Gesang in der Pop- und Volkskultur wird nicht ausgegrenzt. Zumal gerade der Bereich der schnelllebigen kommerziellen Unterhaltungsmusik immer wieder Inspiration aus der Tradition gewinnt.

 

Das erste Stichwort des Lexikons lautet „Abbelimenti“. Man wird verwiesen aufs Stichwort „Verzierungen“. Dort erfährt man, dass mit dem Wort, was auf Deutsch so viel heißt wie wie Verschönerungen, sängerische Ausschmückungen von Arien gemeint sind, oft improvisiert, aber nach festen Regeln. Der letzte Artikel widmet sich den „Zwischenrippenmuskeln“. Man liest, dass sie für das Einatmen beim Singen, zur Weitung des Brustkorbs und für die sogenannte „Stütze“ der Stimme von enormer Wichtigkeit sind. Stimmphysiologie, Stimmtechnik und die verschiedenen Schulen und Stile des Singens bilden den Schwerpunkt des Buches. Eines verweist auf das Andere. Deshalb ist das Buch nicht nur zum raschen und gezielten Nachschlagen geeignet, es lädt auch ein zum Querlesen. Man liest sich fest und lernt dazu. Etwa am Beispiel von Louis Armstrong, was Jazzgesang, den er begründete, eigentlich ist: Die Übertragung einer improvisatorisch-variierenden Interpretation von Liedvorlagen.

 

Indem sich das „Lexikon der Gesangsstimme“ so ziemlich allen Phänomenen und Aspekten des Singens zuwendet, schließt es eine lange bestehende Lücke in der Musikliteratur. Die Akribie und die Fachkenntnis, mit der 58 Autoren die 793 Artikel des Buches (wenn ich richtig gezählt habe) verfassten, sind schlicht überwältigend. Jeder, der mit Singen zu tun hat, ob beruflich oder privat, studierend oder nur aus Leidenschaft, wird in diesem Lexikon fündig. Reiches Abbil-dungsmaterial, wertvolle Angaben zu weiterführender Literatur, praktische Hinweise aber auch auf Internetseiten über Verbände und Gesellschaften, Forschung und Therapie, Datenbanken, Tonaufnahmen Wettbewerbe und Festivals machen dieses Lexikon unverzichtbar.

 

Buchbesprechung auch in MDR Kultur